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Waschtag-Kolumne

Heizen mit Grünem Gas: Mir wird so kalt…

Der Winter kommt, die Steuerreform kommt – Heizen mit fossilen Trägern wird teurer. In Wien wird das zu einem ganz besonderen Thema werden: Fossiles Gas wird teurer, der versprochene Klimabonus beträgt in Wien bis zu fünfzig Prozent weniger als in anderen Gegenden Österreichs. Sollen sie halt auf erneuerbare Wärmeformen umsteigen, die Wiener:innen. Doch das geht nicht so leicht: Nur knappe 20 Prozent der Wohnungen in Wien sind in Eigentum, über drei Viertel sind Mietwohnungen. 

In solchen Mietwohnungen hat man oft keinen Einfluss darauf, wie geheizt wird – sehr verbreitet sind eben immer noch Gasthermen, in denen fossiles Gas eingesetzt wird, das einen hohen CO2-Ausstoß hat. Bis 2040 will Österreich klimaneutral sein, soll heißen: Kein Verbrennen von fossilem Gas mehr. Umstieg auf Fernwärme ist sehr teuer. Viele Vermieter:innen können sich das trotz angekündigter Förderungen schlicht nicht leisten oder sind vom Willen anderer Wohnungsbesitzer:innen im Haus abhängig. 

Ich sehs jetzt schon kommen, welche Lösung wird uns in wenigen Jahren als das Siegerding schlechthin präsentiert werden wird: Erneuerbares, grünes Gas! Wie super! Alles pipifein, alles gelöst, kein teurer Umbau der Thermen in den Wohnungen nötig. 

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Grünes Gas ist nicht Grün

Die Sache hat nur einen Haken: Grünes Gas ist NICHT umweltfreundlich. Es ist klimaschädlich. Grünes Gas wird aus Pflanzen gewonnen – aber um so viel Gas dabei zu erzeugen, wie fürs Heizen breit notwendig ist, wird viel zu viel Fläche verbraucht. Die Nahrungsmittelproduktion wird verdrängt, es kommt zu riesigen Monokulturen, die die Artenvielfalt gefährden. Plus wird ja weiterhin Gas verbrannt, duh – es wird nur anders produziert. Zwar heißt es, dass das Verbrennen von Grünem Gas klimaneutral ist, weil das CO2 vorher durch die Pflanzen gebunden wurde, aber wärs nicht gscheiter, Pflanzen, die CO2 binden, nicht wieder zu verbrennen, sondern für Lebens- und Futtermittel einzusetzen? 

So, und da geht jetzt das Greenwashing los: GLOBAL 2000 hat analysiert, dass vier von fünf von ihnen überprüften Energieanbietern Grünes Gas als die Lösung schlechthin präsentieren. Der Umstieg wird als „einfach zu bewerkstelligen“ dargestellt – doch Grünes Gas ist knappes Gut, teuer in der Herstellung. 

Hier geht es zu dem Report

Erdgas ist niemals Teil der Lösung

Doch das Greenwashing bei den Energieanbietern geht sogar noch viel, viel weiter: Da wird sogar klassisches fossiles Erdgas als „klimafreundlich“ bezeichnet, als „Teil der Lösung“ und mit dem Zukauf von ein paar Zertifikaterln sogar als „klimaneutral“. Das ändert halt nur leider nichts daran, dass Erdgas massiv klimaschädlich ist, vor allem, wenn es unverbrannt in die Atmosphäre gelangt. Egal, wie man es dreht oder wendet, Erdgas kann niemals Teil einer Lösung sein. 

Ich verstehs schon, in Sachen Nachhaltigkeit haben klassische Energieanbieter jetzt nicht den allergrößten Argumentationsspielraum. Aber den Konsument:innen, die von der Wärme abhängig sind und trotzdem klimafreundlich leben wollen, Erdgas und Grünes Gas als Lösung zu präsentieren, ist Greenwashing in Reinkultur. 

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