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Heimdal: Britisches Startup zieht CO2 aus dem Meer und macht daraus Zement

Heimdal-Gründer Marcus Lima und Erik Millar © Heimdal
Heimdal-Gründer Marcus Lima und Erik Millar © Heimdal

Um die großen Mengen an CO2, die sich in der Erdatmosphäre befinden, zu reduzieren, testen Jungunternehmen ständig neue Technologien aus. Beispielsweise gibt es die Methode des Carbon Capture and Storage (CCS). Dabei soll Kohlendioxid, welches in Kraftwerken entsteht, mit speziellen Filtern direkt aus den Rauchfängen entfernt werden. Dann gibt es noch Carbon Removal oder des Direct Air Capture. Hierbei soll das CO2 einfach direkt aus der Luft gezogen und gespeichert werden. Ganz natürlich machen das Bäume bereits seit Jahrhunderten.

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Heimdal gewinnt Kalkstein aus dem Meer

Diese Methoden beziehen sich nur auf das CO2, das sich in der Luft befindet. Doch auch im Meer finden sich große Ansammlungen des Treibhausgases. Es schädigt dort die Fauna und verändert Ökosysteme. Doch auch hier gibt es ein Startup, das dieses Problem lösen will: Die britische Jungfirma Heimdal. Sie will mit Hilfe erneuerbaren Energien das CO2 wieder aus dem Meer holen und durch Bindung daraus synthetische, kohlenstoffnegative Industriematerialien produzieren, darunter Kalkstein für die Herstellung von Beton.

In einem eigenen Verfahren alkalisiert Heimdal laut TechCrunch Meerwasser, wodurch sich sein pH-Wert erhöht. Das ermögliche die Isolierung von gasförmigem Wasserstoff, Chlor und einem Hydroxid-Sorptionsmittel. Letzteres mischt das Jungunternehmen mit einem separaten Strom von Meerwasser, was zur Ausspülung von Kalzium-, Magnesium- und Natriummineralien führt und die Sättigung des CO2 im Wasser verringert. Dadurch soll es dem Wasser möglich sein, bei der Rückführung ins Meer wiederum weiteres CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen.

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„Kohlenstoffneutraler Zement“

Aus Meerwasser und Elektrizität werden also Wasserstoff und Chlorgas, Kalzium-, Natrium- und Magnesiumkarbonat gewonnen, wobei eine große Menge an gelöstem CO2 gebunden wird. Bei Kalziumkarbonat handelt es sich um Kalkstein, das für die Produktion von Zement dient. Es erscheint zwar wenig nachhaltig, nach der CO2-Entfernung Beton herzustellen, verursacht die Herstellung des Materials doch selbst eine große Menge an CO2. Durch die Verwendung von Mineralien aus dem Meer wäre es laut dem Startup aber möglich, diesen Prozess weniger emissionslastig zu gestalten.

„Die Fähigkeit von Heimdal, das Abwasser aus der Entsalzungsanlage zur Herstellung von kohlenstoffneutralem Zement zu verwenden, löst zwei Probleme auf einmal“, zitiert TechCrunch Yishan Wong, ehemaliger CEO von Reddit, jetzt CEO von Terraformation und ein Investor bei Heimdal. „Es schafft eine skalierbare Quelle für kohlenstoffneutralen Zement und wandelt den Soleabfluss aus der Entsalzung in ein nützliches wirtschaftliches Produkt um. Die Möglichkeit, dies gemeinsam zu skalieren, ist in mehrfacher Hinsicht bahnbrechend.“

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Seed-Finanzierung von 6,4 Millionen Dollar

Gegründet haben das Unternehmen Marcus Lima und Erik Millar im Jahr 2020. Weil die Kosten für erneuerbare Energien immer weiter fallen, sehen die beiden großes Potenzial für neue Geschäftsmodelle, die auf diesen aufbauen. Bei Heimdal können einerseits Unternehmen für die CO2-Entfernung bezahlen, um den eigenen Ausstoß zu kompensieren, die Jungfirma kann auch noch die aus dem Prozess entstehenden Materialien verkaufen. Pro Tonne CO2 macht das Startup nach eigenen Angaben zwischen 500 und 600 Euro Umsatz. Der Kalkstein koste etwa so viel wie beim Industriestandard.

Heimdal hat TechCrunch zufolge bereits 6,4 Millionen Dollar in einer Seed-Runde erhalten. Die beteiligten Investoren sind neben Yishan Wong Liquid2 Ventures, Apollo Projects, Soma Capital, Marc Benioff, Broom Ventures, Metaplanet und Cathexis Ventures. Außerdem hat die Jungfirma schon Kooperationen mit mehreren großen Zement- und Glasherstellern gestartet und plant seine erste Pilotanlage in einer US-Entsalzungsanlage. 2023 will das Startup in die kommerzielle Produktion einsteigen.

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