Green4Cities-Chefin: "Meine Vision ist eine richtige Dschungelstadt"

Sara Grasel - 19 Mai 2020

So soll der Cooling Park beim Haus des Meeres in Wien aussehen © Architekturbüro Carla Lo

Wien ist Musterschüler, wenn es um Grünflächen geht. Trotzdem gibt es noch viel zu viele Betonwüsten und überhaupt: „Wir sind weit entfernt von zu viel Grün“, ist Doris Schnepf überzeugt. „Meine Vision ist eine richtige Dschungelstadt“. Und die setzt sie nun auch um: Das von ihr mitgegründete Startup Green4Cities hat bei fast allen großen Green-City-Projekten in Wien die Finger im Spiel und will in Zukunft auch Bürgerinnen und Bürger einbinden.

Betonwüste Museumsquartier

„Jetzt ist das Window of Opportunity“, sagt Schnepf. Vor sechs Jahren, als sie Green4Cities gemeinsam mit Forscher-Kollegen von der Wiener Universität für Bodenkultur gegründet hat, war das noch anders. Große Stadtplanungsprojekte wie das Wiener Museumsquartier wurden noch Anfang der 2000er-Jahre gänzlich ohne Grünflächen umgesetzt. Mittlerweile gebe es aber ein Bewusstsein dafür, dass solche Betonwüsten eine Katastrophe sind, sagt Schnepf: „Heute würde das niemand mehr so planen“. Ganz im Gegenteil.

Eine Software für das Mikroklima

Heute prüft Green4Cities bei zahlreichen Neubauprojekten und Stadtplanungsprojekten die konkreten Auswirkungen auf das Mikroklima in der Umgebung. Dafür das das Jungunternehmen eine eigene Software entwickelt. Mit Greenpass kann ermittelt werden, um wieviel Grad die Umgebungstemperatur durch begrünte Fassaden oder einzelne Bäume sinkt, es können Windströmungen und ganz spezielle Pflanzenarten simuliert werden. Zum Einsatz gekommen ist die Software zum Beispiel auch bei der grünen Ikea-Filiale am Westbahnhof, die international für Aufsehen gesorgt hat.

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Es geht aber nicht nur um mehr Grünflächen in der Stadt und an Hausfassaden. In der Stadt gibt es Bereiche, in denen einfach kein Baum gepflanzt werden kann und auch gegen diese Hitzeinseln hat Green4Cities Rezepte. Derzeit entstehen in Wien beispielsweise „Cool Spots“, die mit feinen Nebelduschen die Umgebungstemperatur senken. Der Esterhazypark im 7. Bezirk soll auf diese Art der erste „Cooling Park“ Wiens werden. Auch Sonnensegel oder Rankelemente können für kühlenden Schatten in der Stadt sorgen.

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Eine alte Parkgarage als City Farm

Den Schlüssel für Green Cities der Zukunft sieht Schnepf aber in einer intensiven Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern. Damit das klappt, müsse es nicht nur Spaß machen, sondern auch entsprechend finanziert werden. „Begrünungs-Projekte müssen aus dem Ehrenamt raus“, findet die Expertin. Wie das funktionieren kann, will Green4Cities in Ottakring vorexerzieren. Dort wird in der „Grätzl Grün Garage“, einer alten Parkgarage, ein Garten auf mehreren Decks angelegt, in dem unter anderem Hopfen angebaut wird. Daraus könnte dann ein Stadtbier gebraut werden und die Einnahmen fließen wiederum in das Projekt und sichern den bisher ehrenamtlichen Mitarbeitern ein kleines Einkommen.

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Schnepf hat noch weitere Ideen, um Begrünungs- und Cooling-Projekte in der Stadt quasi zu monetarisieren. So kann sie sich vorstellen, dass Cool Spots wie im Esterhazypark für Outdoor-Yoga genutzt werden. In all diese Überlegungen will Green4Cities ab Herbst über Ideenwettbewerbe in den Grätzln auch Bürgerinnen und Bürger einbinden. Das Museumsquartier würde Schnepf gerne auf diese Art neu gestalten. Eine großflächige Grünoase wird dort nicht entstehen, denn wenn es um eine vielfältige Nutzung solcher Freiräume und den Denkmalschutz geht, stößt die Green City schnell an ihre Grenzen.

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Hinter dem Text

Sara Grasel

Sara Grasel ist erfahrene Wirtschaftsjournalistin, leidenschaftliche Schreiberin und Chefredakteurin von Tech & Nature.

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