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Google: Neue Funktionen machen Klimaschutz klickbar

© Solen Feyissa
© Solen Feyissa

Wer im Internet etwas sucht, nutzt in den meisten Fällen Google. Weltweit ist sie die meistgenutzte Suchmaschine im Internet. Der Marktanteil des Internetkonzerns liegt bei fast 90 Prozent. Milliarden Menschen – genaue Zugriffszahlen findet man kaum – nutzen Google tagtäglich. Der Internetgigant hat einen großen Einfluss darauf, was Menschen im Internet angezeigt bekommen. Und oft auch, was sie kaufen. Mit dem vielgenutzten Navigations-Tool Google Maps beeinflusst das Unternehmen, wo sich Menschen fortbewegen. In Zeiten, in denen kein Unternehmen mehr an Nachhaltigkeit vorbeikommt, ist sich Google seines Einflusses nun offenbar bewusst. Alphabet Inc., zu dem Google gehört, hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, bis 2022 eine Milliarde Menschen dabei zu unterstützen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Dafür hat der Internetriese heute neue Funktionen gestartet.

Umweltbewusster im Flug- und Individualverkehr

Suchen Nutzer:innen auf Google nach Flügen, zeigt die Suchmaschine nun direkt die damit verbunden CO2-Emissionen an. Flüge, die im Vergleich die niedrigsten Emissionen verursachen, erhalten eine grüne Markierung. Zudem wird unterschieden zwischen Sitzplätzen in der Economy-Klasse und Sitzen in der teureren Business-Klasse, da diese mehr Raum einnehmen und dadurch einen größeren Anteil an den Emissionen zugerechnet bekommen. Für die Berechnungen nutzt Google die Daten der Fluglinien. Dass Flugreisende eher den Emissions-ärmeren Flug wählen, ist durch die Neuerung jedoch nicht gesichert. Schließlich wollen die meisten Reisenden vor allem eines: Schnell und günstig reisen.

 

Google Flüge mit CO2-Emissionen
Google markiert Flüge mit geringsten Emissionen © Tech & Nature

 

Schnell und günstig ans Ziel kommen, das wünschen sich auch Autofahrer:innen. Gerade in Städten leiden Mensch und Umwelt unter Staus und langen Fahrtzeiten. Wer nicht auf das Fahrrad steigen oder öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, kann seine Autofahrten mit Google Maps zumindest umweltschonender gestalten. Wie im Frühjahr bereits angekündigt, zeigt der Online-Kartendienst Google Maps Nutzer:innen in den USA seit heute die umweltfreundlichste Route beim Autofahren. Für Europa wird die Funktion erst nächstes Jahr erwartet.

Mithilfe von Künstlicher Intelligenz ermittelt die Anwendung den Weg mit dem geringsten Benzinverbrauch. Das System konzentriert sich dabei auf Kriterien wie Geschwindigkeitsbegrenzung, mögliche Staus oder Straßenneigung. Anwender:innen können auch sehen, wie hoch die Emissionen im Vergleich zwischen unterschiedlichen Routen sind. Wie bei der Flugbuchung gilt: Meist möchten Autofahrer:innen schnell ans Ziel kommen, und nicht zwingenderweise am umweltfreundlichsten. Ob sie letzteres wählen, bleibt daher abzuwarten.

© Google
© Google

Google selbst enormer CO2-Verursacher

Indem der Internetkonzern das Thema Nachhaltigkeit stärker in seinen Diensten integriert, können seinen Milliarden Nutzer:innen stärker darauf aufmerksam gemacht werden. Doch mit seinen riesigen Serverfarmen und Rechenzentren verursacht Google selbst enorme Treibhausgasemissionen, die das Klima anheizen. Allein im Jahr 2019 emittierte Alphabet Inc. über 12,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Nach Unternehmensangaben wurden all diese Emissionen durch Kompensationsprojekte ausgeglichen. Deren Wirkkraft wird jedoch oft skeptisch gesehen. Google möchte nach eigenen Angaben künftig seinen eigenen Ausstoß weiter reduzieren: Bis 2030 sollen die Rechenzentren und Standorte 24 Stunden am Tag mit CO2-freier Energie laufen.

Um nicht nur sich selbst, sondern auch Städte zu vergrünen, hat Google bereits einige Anwendungen entwickelt. Das Unternehmen hat etwa das Tree Canopy Lab eingerichtet, in dem Satellitenbilder mit Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Mithilfe von Satellitenbildern und intelligenter Software soll einerseits der Baumbestand einer Stadt analysiert werden und andererseits Plätze für neue Pflanzungen identifiziert werden. Bisher steht diese Funktion allerdings noch ganz am Anfang.  Los Angeles ist aber nun die erste Stadt, der Google dabei helfen will, mehr Bäume zu pflanzen.

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Weitere Funktionen in Planung

Die neuen Funktionen für den Flug- und Individualverkehr sind nur zwei von vielen, die Google im vergangenen Jahr ausgerollt hat. Eine ähnliche Funktion wie bei den Flügen wurde bereits bei Hotels umgesetzt: Bei der Suche wird sichtbar gemacht, wenn ein Hotel Maßnahmen gesetzt hat, nachhaltiger zu wirtschaften. Ist ein Hotel von Organisationen wie Earth Check oder Green Key zertifiziert, erhält es dafür ein gesondertes Kennzeichen in den Suchergebnissen. Weiterhin überarbeitet wurde der Bereich Finanzen. So erhalten Nutzer:innen bei der Suche nach Unternehmen nicht nur Angaben zu dessen Aktienkurs, sondern auch Bewertungen in puncto Nachhaltigkeit. Die Daten dafür erhält die Suchmaschine vom Carbon Disclosure Project (CDP), eine Non-Profit-Organisation mit dem Ziel, Umweltdaten von Unternehmen und Kommunen, wie etwa deren klimaschädliche Treibhausgasemissionen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Weitere Funktionen befinden sich derzeit noch in Planung, so der Konzern. Google will Fahrradfahrer:innen in den kommenden Monaten etwa ihre Wege erleichtern. Mit der sogenannten „Lite Navigation“ sollen Radfahrer:innen in einer knappen Übersicht Details zu ihrer Route angezeigt bekommen, ohne während der Fahrt konstant von ihrem Bildschirm abgelenkt zu werden. Außerdem plant Google, Künstliche Intelligenz einzusetzen, um die Effizienz von Ampeln zu optimieren, damit sie auf die Bedingungen im Verkehr dynamischer reagieren. Laut Google wurden in Israel dazu bereits erste Pilotprojekte durchgeführt, weitere sind in Rio de Janeiro geplant.

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