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Neue Mängel

Global 2000 warnt vor „Super-GAU“ bei Inbetriebnahme von AKW Mochovce 3

©unsplash / Thomas Millot
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Ein Atomkraftwerk unmittelbar an der österreichischen Grenze beschäftigt bereits seit Jahren die Gemüter. Im slowakischen Mochovce, 100 Kilometer von der österreichischen Grenze weg und ca. 200 Kilometer entfernt von Wien, sollen beim lokalen  Atomkraftwerk zwei weitere Blöcke in Betrieb genommen werden. Diese waren zusammen mit den bereits aktiven zwei Blöcken 1985 angefangen worden zu bauen. 1993 wurden die Bauarbeiten stillgelegt bis sie 2008 wieder aufgenommen worden. In den 15 Jahren dem Stillstand ausgesetzten Gebäuden häufen sich seitdem, Veröffentlichungen der Naturschutzorganisation Global 2000 zufolge, die Verdachtsfälle auf baulichen Missständen und fehlenden Sicherheitsvorkehrungen.

Geplante Inbetriebnahme für Mai 2021

Nachdem der dritte Reaktor eigentlich schon Ende 2020 an das Netz hätte gehen sollen, endet laut Global 2000 heute nun die Frist für die Stellungsnahmen zum Entwurf der Betriebserlaubnis für Mochovce 3. Mit der Erlaubnis der slowakischen Atomaufsicht, könnte dieser nach den Plänen der Betreiber, im Mai in Betrieb genommen werden. Die österreichische Klimaministerin Leonore Gewessler ( Die Grünen) kündigte nun an, die „Mängel-Hinweise“  durch Experten prüfen zu lassen.

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Einsatzfähigkeit alternder Bauteile angezweifelt

Zahlreiche Punkte sprechen laut Global 2000 gegen eine Inbetriebnahme von Mochovce 3. So verweisen sie auf alternde Bauteile, durch den Baubeginn 1985, welche weiterhin noch nicht alle auf ihre Einsatzfähigkeit überprüft worden sein sollen und einem ebenfalls veralteten Sicherheitskonzept, nachdem die Reaktoren bei einem etwaigen Flugzeugabsturz mangelnde Widerstandskraft aufweisen würden.

Fotos von Whistleblower zeigen unsachgemäße Bohrungen

Bei Ermittlungen der slowakischen Kriminalpolizei in 2020 seien außerdem gefälschte Zertifikate von bereits verlegten Rohrleitungen aufgedeckt worden sein, schreibt Global 2000. Von 2960 überprüften Rohrleitungen, seien bei 288  Abweichungen von technischen Spezifikationen festgestellt worden, bei 52 Fällen waren die Zertifikate gefälscht.

Auch soll es zu unsachgemäßen Bohrungen gekommen sein. Global 2000 veröffentliche Mitte Februar Fotos, welche ihnen von dem selben Whistleblower zugeschickt worden sein sollen, der bereits vor zwei Jahren vor unkontrollierten Bohrungen in den hermetischen Kammern in Mochovce warnte. Diese sollen Zeugenaussagen eines Baustatik-Ingenieurs zu unsachgemäßen Bohrungen untermauern. Laut Global 2000 gibt der Betreiber des Atomkraftwerkes an, mehr als 60.000 Bohrungen gemäß des Sicherheitsprotokollls durchgeführt zu haben, dabei soll es bei 22 Fällen zu Beschädigungen gekommen seien. Laut Global 2oo0 widerlegen die aktuellen Fotos die Aussage und belegen unsachgemäße Bohrungen: „Kein Ingenieur kann derzeit sagen, wie diese tausenden Bohrungen die Statik der Gebäude beeinträchtigt haben – und ob die hermetischen Kammern einer Dampfexplosion wie in Fukushima standhalten würden“, erklärt Global 2000 Atomsprecher Reinhard Uhrig. Die Umweltorganisation warnt daher vor schweren Unfällen bis zu einem „Super-GAU“ bei Inbetriebnahme des Kraftwerkes.

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Grüne fordern Baustopp

Unterstützung erhält die Umweltorganisation aus der Politik. In einer entsprechenden Aussendung der Grünen fordern diese eine Einstellung des Bauprojektes Mochovce 3 wegen der genanten Kritikpunkte. Auch verweisen sie auf die möglichen Kosten bei dem Abriss eines bereits in Betrieb genommenen Atomkraftwerkes und den günstigeren Stromkosten der erneuerbaren Energien. Auch Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky äußert sich in einer Aussendung ablehnend dem Bauprojekt gegenüber: „Wien hat schon seit langem Bedenken gegen die Blöcke 3 und 4 des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce – die heute von Global 2000 veröffentlichten Informationen über die Unzuverlässigkeit vorgelegte Dokumente und gefälschte Zertifikate bestätigen unsere Befürchtungen. So dürften die Sicherheitsstandards beim Reaktor-Block 3 mehr als mangelhaft. Ich fordere deshalb, die Inbetriebnahme sofort zu stoppen. (…)“ Auch fordert er das Land Österreich auf, auf eine Einstellung des Bauvorhabens zu bestehen bis der aktuelle Zustand des Reaktors von einem internationalen Expertengremium festgestellt wurde.

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Gewessler lässt Vorwürfe überprüfen

Österreichs Klimaministerin Leonore Gewessler  äußerte sich ebenfalls zu den neuen Veröffentlichungen: „(…) Die eben veröffentlichten Vorwürfe sind besorgniserregend und ernst zu nehmen. (…) Sollte sich der Verdacht erhärten, werde ich mich auch nochmals an meinen slowakischen Amtskollegen wenden. Unsere Position ist unverändert: Solange noch offene Sicherheitsfragen oder berechtigte Zweifel an der nuklearen Sicherheit bestehen, darf es unter keinen Umständen eine Inbetriebnahme geben“ ExpertenInnen des Klimaschutzministerium sollen die möglichen Sicherheitsmängel nun untersuchen.

 

 

 

 

 

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