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Ein Kommentar

Geht die Welt in Flammen auf bevor wir handeln? – Nicht unbedingt

©markus spiske/ pexels
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Verbrauche weniger Plastik, vermeide Flugreisen, kaufe lokal und regional – das sind nur wenige Forderungen, welche immer dann genannt werden, wenn es um mehr Nachhaltigkeit im Alltag der Einzelnen geht. Und ja, es tut gut genau das zu tun. Mit dem Verzicht auf Erdbeeren im Februar, dem Mitführen von Mehrweggeschirr oder der Nutzung des Fahrrades im stickigen Stadtverkehr stellt sich ein Erfolgserlebnis ein und das erhebende Gefühl, einen Part zur Bekämpfung der Klimakrise zu erfüllen. Und das versiegt dann augenblicklich, wenn die Augen so viel Feuer erblicken wie in den letzten Tagen. Nach einer Hitzewelle bisher unbekannten Ausmaßes brennt die kanadische Ortschaft Lytton nahezu vollständig nieder und auf dem Golf von Mexiko brennt nach einem Leck in einer Unterwasser-Gaspipeline des staatlichen Erdölkonzern Pemex für Stunden das Meer. Dass dann Gedanken a la: „Am Ende ist mein Handeln sinnlos, während am anderen Ende der Welt aufgrund von jahrelang vernachlässigten Leitungen die nächste Ölkatastrophe droht“ aufkommen ist wenig verwunderlich. Tatsächlich einfach nur realistisch.

Der Freitag ist zurück – Nachgefragt: Was wäre der erste Punkt, der zu ändern wäre?

Wie viel kann ich, als Einzelperson, denn tatsächlich verändern? Ziemlich viel, so zumindest der Glauben von einem Großteil der Menschen. Das spiegeln die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von dem Marktforschungsunternehmen Mintel beschlossen beschrieben vom Guardian wider. Diese haben in 16 Ländern in Europa, Asien, Südamerika und Australien Menschen zur ihrem Optimismus gegenüber einer rechtzeitigen Verhinderung der Klimakrise befragt. Dabei sagten im Durchschnitt 54 Prozent der Befragten dem Glauben zu,  dass noch rechtzeitig etwas an der Klimakrise geändert werden kann. 51 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihr eigenes Verhalten einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben kann. Das betonte auch die Internationale Energieagentur (IEA) vor Kurzem. Laut der IEA sind mehr als die Hälfte der kumulativen Emissionsreduzierungen, die erforderlich sind, um Netto-Null zu erreichen, mit den Entscheidungen und dem Verhalten der Verbraucher verbunden.

Weniger ist mehr

Denn genau da liegt der Hund begraben. Wenn sich solche nachhaltigen Überlegungen, wie eingangs genannt, als alltäglich etablieren, dann ist das nicht die Entscheidung von Einzelpersonen, sondern von Milliarden. Gerettet wird die Welt so allein allerdings nicht. Das macht die Aussage der IEA ebenfalls deutlich. Auch wenn es mehr als die Hälfte des Zielwertes ist, auf die die Einzelnen Einfluss haben, bleibt immer noch fast die Hälfte übrig. Denn auch wenn ich gerne möchte – solange in Bereichen auf denen die Einzelnen nur wenig Einfluss haben, wie die Dekarbonisierung der Industrie, des öffentlichen Verkehrs oder des Gebäudesektors nicht schnell deutliche Maßnahmen und Richtlinien getroffen werden, wird die Bereitschaft der Einzelnen sinken, während die Anzahl der Folgen der Klimakrisen unaufhörlich steigt. Dafür braucht sowohl die rechtlichen Vorgaben aus der Politik, als auch die Entscheidung des Einzelnen. Denn am Ende ist auch ein Erdölkonzern abhängig von der immer allgegenwärtige Frage, welche den Markt kontrolliert: Angebot und Nachfrage.

Nachhaltigkeitsmanager: „Unsere Lebensweise ist nicht nachhaltig, aber sie ist änderbar“

Je weniger Nachfrage nach einem  Produkt vorherrscht, desto weniger wird es produziert. Und am Ende ist das das oberste Ziel. Denn ob nun Plastik oder andere Ressourcen – verbraucht wird bisher zu viel. Und am Ende wird die Welt sicher nicht von dem Umstieg von einem Plastiksack auf einen Papierbeutel gerettet, sondern nur durch Verzicht. Und daran können alle mitwirken und somit haben alle einen Einfluß. Es gibt das Sprichwort: Wer preiswert kauft, kauft doppelt. Unabhängig vom Preis, passt dieses Sprichwort hier trotzdem zutreffend. Denn doppelt kaufen ist nicht mehr drin. Das kann sich der Planet nicht mehr leisten

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