Talk im Park

Fridays For Future: „Selbst viele kleine Schritte zu setzen ist gut, aber das reicht nicht“

Lea Paulovics hat gerade die Matura gemacht und engagiert sich seit 2019 bei „Fridays For Future“ in Österreich. Im „talk im park“ erzählt sie, was hinter der Bewegung steckt, was sie sich von der Politik wünschen würde und worauf sie persönlich achtet, um Klima und Umwelt zu schonen.

Du bist seit letztem Jahr bei Fridays For Future – wie bist du denn dazu gekommen und was hat dich überzeugt?

Lea Paulovics: Meine ganze Familie lebt sehr klimaneutral und nachhaltig – für mich ist das ganz normal. Dann habe ich Greta Thunberg im Fernsehen gesehen und gemerkt, dass noch viel zu tun ist. Auf Social Media habe ich dann mitbekommen, dass Fridays For Future auch nach Wien kommt. Ich habe in meiner Klasse gleich gefragt: Nächsten Freitag haben wir eh wenig zu tun, schauen wir doch einmal hin. Das Thema hat uns dann so mitgerissen und so begeistert, dass wir aktiv geworden sind. Das Thema liegt mir sehr am Herzen: Tiere, Umwelt, Natur und unsere Zukunft.

Fridays For Future ist durch Demos bekannt geworden, dahinter steckt aber natürlich viel mehr. Kannst du uns etwas über eure Aktivitäten erzählen?

Fridays For Future ist in unterschiedlichen Gruppen aufgebaut. Es gibt einen inneren Kern für die grundsätzliche Organisation und dann auch kleinere Bereiche wie Workshop-Gruppen, die Workshops in Schulen leiten. Dann gibt es die Gruppe, die die Streiks organisiert und Gruppen, die sich um die Vernetzung mit anderen Gruppen wie „Scientists For Future“ kümmern und zum Beispiel Vorträge organisieren.

Was passiert denn in einem solchen Workshop?

Die sind meisten für Volksschulen oder die Unterstufe. Selbst hab ich noch keinen organisiert, aber es geht darum, spielerisch und kindgerecht zu vermitteln, wie Kinder und Jugendliche aktiv werden können und was sie tun können. Zum Beispiel, wie man richtig Müll trennt.

Wie kommen diese Workshops an?

Für die Kinder ist das sehr toll. Sie erzählen dann auch ihren Eltern davon und schauen ihnen auf die Finger, damit das auch umgesetzt wird.

Was waren für dich die größten Erfolge von Fridays For Future in Österreich?

Für mich ist es ein riesengroßer Erfolg, dass wir es geschafft haben, mit dem Thema in alle Medien zu kommen. Dass die Wissenschaft und die Fakten ins Bild geholt werden. Die sind ja schon die ganze Zeit da, aber die Politiker hören ihnen nicht zu. Was ich auch toll finde, ist, dass wir so große Demonstrationen geschafft haben: 30.000 und mehr Menschen. Das mach eine tolle Stimmung: diese Hoffnung, Power, Energie. Das Besondere an unseren Demos ist auch, dass wir gar keinen Schmutz hinterlassen. Es gibt Gerüchte, dass das so ist, aber wir haben die „Heroes“, die mit Müllsäcken hinterherräumen – es ist blitzblank nachher. Es ist auch sehr friedlich – ich habe noch kaum Demos mit so wenig Polizei gesehen.

Fridays For Future wird von Wirtschaft uns Politik gerne dafür gelobt, die Klimakrise sozusagen salonfähig gemacht zu haben. Kommt diese Dankbarkeit bei euch an?

Die Dankbarkeit zeigt sich weniger dadurch, was gesagt wird. Es geht darum, dass auch wirklich gehandelt wird. Das kommt bei uns nicht an – es wird immer nur geredet.

Was würdest du dir konkret wünschen?

Wir haben Lösungsansätze ausgearbeitet und vorgelegt. Die Politiker haben das gesehen, setzten aber nichts davon um. Ich würde mir wünschen, dass sie die politischen Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Zukunft umsetzen. Nicht nur regional, sondern bundesweit und EU-weit. Sie sollten sich einmal an das Pariser Klimaabkommen halten und nicht um Milliarden Euro Zertifikate kaufen.

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Neben diesen Rahmenbedingungen, die es dringend braucht, kann auch jeder selbst ein bisschen etwas beitragen – wie hat denn die Klimakrise dein eigenes Verhalten beeinflusst?

Ich bade zum Beispiel nur ein bis zweimal pro Jahr, sonst dusche ich – das hilft beim Wassersparen. Ich bin seit drei Jahren Vegetarierin und schaue, dass ich auch Milchprodukte langsam reduziere. Ich versuche, ohne Plastik auszukommen oder es zumindest nur sparsam einzusetzen. Ich schaue, dass wir daheim Müll so weit wie möglich trennen. Freunde von uns haben seit Kurzem Hühner, die essen unsere Eierschalen und nichts bleibt über.

Wie war das für dich, die Ernährung umzustellen?

Ich habe das Schritt für Schritt gemacht. In den Ferien habe ich in Restaurants immer fleischlose Alternativen bestellt. Zuhause war das schon ein bisschen kompliziert am Anfang, mittlerweile essen aber sogar meine Eltern fast gar kein Fleisch mehr. Ich habe sie gar nicht dazu gedrängt, ich bin einfach mit gutem Beispiel vorangegangen. Ich sehe auch in meinem Freundeskreis, dass viele ihre Ernährung umstellen, aber man muss sich informieren – man kann schon einiges falsch machen.

Was hältst du grundsätzlich für die größten Hebel im Kampf gegen die Klimakrise?

Selbst viele kleine Schritte zu setzen ist gut, aber das reicht nicht. Es braucht politische Rahmenbedingungen. Dass man sich, wenn man ins Geschäft geht, um Gemüse zu kaufen, nicht zwischen eine gespritzten Produkt ohne Plastik und einem biologischen Produkt mit Plastik entscheiden muss. Ein wichtiger Schritt wäre auch, dass die Züge billiger und die Flüge teurer werden.

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Machst du den Führerschein und willst du ein Auto haben?

Ich werde ihn, glaube ich, machen – sicherheitshalber, falls ich ihn brauchen sollte. Aber ich werde kein Auto haben. Wir haben öffentliche Verkehrsmittel und Züge. Damit komme ich überall hin, ich bin damit zufrieden.

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