Emissionshandel

ForTomorrow: Dieses Startup kauft der Industrie CO2-Rechte weg

Ruth von Heusinger hat ForTomorrow gegründet © ForTomorrow
Ruth von Heusinger hat ForTomorrow gegründet © ForTomorrow

In Deutschland mischt sich das junge Startup ForTomorrow in den Emissionsrechte-Handel ein und will damit bewirken, dass die Industrie langfristig grüner wird. Das funktioniert so: In der EU dürfen Industrie-Unternehmen und Kraftwerke nur eine bestimmte Menge CO2 ausstoßen. Diese limitierte Menge wird unter anderem über Zertifikate unter den Unternehmen aufgeteilt, die gehandelt werden. Einfach ausgedrückt, darf also nur jene Anlage laufen und dabei CO2 verursachen, für die ein Unternehmen Zertifikate hat.

Eine Tonne CO2 kostet derzeit rund 25 Euro. Dieser Preis steigt, wenn weniger Zertifikate vorhanden sind, die Nachfrage steigt. CO2-Ausstoß wird für die Industrie dann teurer. Genau hier will das Startup ForTomorrow ansetzen – das Non-Profit-Jungunternehmen kauft der Industrie Zertifikate weg.

Kompliziertes System

„Jedes von uns gekaufte Emissionszertifikat bedeutet eine Tonne weniger CO2“, sagt Gründerin Ruth von Heusinger. Die Zertifikate werden von dem Startup vorerst nicht gelöscht, sondern eine bestimmte Zeit auf dem Zertifikate-Konto gehalten. Damit will ForTomorrow verhindern, dass die EU ausgleichend eingreift. „Das System ist sehr kompliziert und man muss sich gut damit auskennen“, meint von Heusinger, die sich in diesem Punkt von dem Universitätsprofessor und EU-Emissionshandels-Experten Grischa Perino beraten lässt. Die Gründerin selbst kennt das System auch aus eigener Erfahrung, die sie bei einem norwegischen Energieunternehmen gesammelt hat.

CO2-Fußabdruck-Abos für Nutzer

Finanziert wird der Kauf von Emissionszertifikaten von ForTomorrow-Nutzern, die über Monats-Abos von ForTomorrow ihren eigenen CO2-Fußabdruck kompensieren. Das kostet monatlich je nach Abo 20 oder 30 Euro oder einen selbst festgelegten Betrag – das Geld fließt zur Hälfte in den Emissionsrechtehandel und zur anderen Hälfte in die Pflanzung von Bäumen. Später sollen Nutzer diese Abos individuell anpassen können.

Bäume werden in Deutschland gepflanzt

Bäume sind ein sehr klassischer Weg für solche Kompensationsprogramme, aber auch hier geht von Heusinger neue Wege. ForTomorrow pflanzt nicht, wie üblich, in Entwicklungsländern, sondern forstet Deutschland auf. Die Gründerin findet, dass das sicherer ist, denn Bäume sind ein sehr langfristiges Investment in den Klimaschutz: „Eine Buche braucht beispielsweise etwa 80 Jahre, um eine Tonne CO2 aus der Atmosphäre zu holen“, erklärt sie im Gespräch mit Tech & Nature. „In Deutschland ist der Wald gesetzlich geschützt und jeder Baum, der kaputt geht, muss wieder aufgeforstet werden“. In Entwicklungsländern sieht sie diese Gewährleistung eher skeptisch.

Earth Overshoot Day: Wie Startups neue Bäume pflanzen lassen

Etwa 130 Tonnen CO2 hat ForTomorrow bereits in Form von Emissionszertifikaten „gebunden“. Das sei gemessen am gesamten Handel noch ein sehr niedriger Betrag, gibt von Heusinger zu. Sie rechnet damit, mindestens 10.000 Zertifikate kaufen zu müssen, damit For Tomorrow einen Effekt auf den Preis der Emissionszertifikate hat.

 

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