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Zukunft der Bauindustrie?

Forscher arbeiten an einem Smart Home aus Pilz

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Neben der Landwirtschaft, ist die Bauindustrie einer der emissionsreichsten Bereiche. Insbesondere die Produktion von Beton und Stahl verursacht im Moment einen hohen CO2-Austoß. Forschungen zu Technologien, welche diese Zahlen senken könnten, sind deswegen nötig. Eine Forschergruppe aus vier Ländern arbeitet aber derzeit an einer noch ganz anderen Version. Statt die Beton- oder Stahlproduktion umweltfreundlicher zu gestalten, testen sie neue Baustoffe. Ihre Alternative: Pilze. Nachdem bereits in der Vergangenheit Baustoffe aus nicht mehr lebenden Pilzorganismen für architektonische Installationen produziert wurde, gehen die Forscher noch einen Schritt weiter: Sie wollen ein alleinstehendes Smart Home aus wachsenden Pilzen bauen und eine Zeitlang dann in dem lebenden Organismus zu wohnen.

Wurzeln der Pilze kombiniert mit Abfall

Die Möglichkeiten von Pilzen in der Baubranche wird in dem von der EU über das Forschungsprogramm Horizon 2020 geförderten Fungar-Project erforscht. Seit Ende 2019 arbeiten die Wissenschaftler aus Dänemark, Großbritannien, Italien und den Niederlanden an ihrem Projekt. Bisher experimentierten sie Berichten des Horzion-Magazines nach, an den benötigten Baumaterialien. Dafür kombinieren sie die Wurzeln der Pilze, Myzeln genannt, mit landwirtschaftlichen Abfällen wie Stroh und lassen diese zwei Wochen wachsen. Durch die Besiedlung der Pilze, wird das Stroh zu einem weißlichen, schaumartigen Material zusammengebunden. „Wenn wir es pressen, erhalten wir ein Material wie Hartfaserplatten“, sagt der am Fungar-Projekt beteiligte Mykologe Han Wosten. Durch die Variation von der Art wie die Pilze, die landwirtschaftlichen Abfälle, die Wachstumsbedingungen und die Nachbearbeitung kombiniert werden, können dem Forscher zufolge, viele verschiedene Baumaterialien mit unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften entstehen.

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Wurzeln leiten elektrische Informationen

Auch in der Vergangenheit wurden Pilze schon als Baustoffe verwendet, doch sollen für das Fungar-Project erstmalig lebende und wachsende Organismen verwendet werden. Das Ziel der Forscher ist es, mit lebenden Pilzen ein sensorisches und rechnenden Gebäude herzustellen. Dazu sollen die Pilze mit Nanopartikeln und Polymeren kombiniert werden und dann im Inneren der dreiachsig gewebten Struktur des Gebäudes gezüchtet werden. Das Myzelnetzwerk soll dann in der Lage sein, Informationen zu verarbeiten. „Wir haben entdeckt, dass Pilzmaterialien auf taktile Stimulation und Beleuchtung reagieren, indem sie ihre elektrischen Aktivitätsmuster verändern“, so Andrew Adamatzky von der University of the West of England in Bristol. Außerdem könnten sich die Wurzeln selbst heilen und nachwachsen bei Beschädigungen.

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Diese Eigenschaften wollen sich die Forscher zu nutze machen, so Adamatzky in einer Aussednung der University of the West of England: „Wenn das Projekt erfolgreich ist, wird das Gebäude als Ganzes in der Lage sein, Lichtverhältnisse, Chemikalien in der Umgebung und die Anwesenheit von Menschen zu erkennen und auf Berührungen zu reagieren. Wie ein massiv-paralleler Computer wird das Gebäude Geräte in Abhängigkeit von den Umgebungsbedingungen steuern. (…)“.

Zu schnelle Zersetzung befürchtet

Bis es soweit ist, wird es aber voraussichtlich noch ein wenig dauern. Auch wenn das Bauen mit lebenden Myzeln viele Chancen birgt, stehen die Wissenschaftlern bisher auch noch einigen Herausforderungen gegenüber. Je länger die Lebensdauer der Pilze währt, desto mehr werden sie das Trägermaterial, das Strom oder ähnliches, zersetzen. Den Forschern zufolge, könnte das umgangen werden, indem den Organismen das Wasser entzogen wird und sie sich dadurch in eine Art Ruhezustand versetzen. Dafür könnten beispielsweise zwei Schichten mit toten Pilzen, eine Schicht mit lebenden einschließen. Dadurch wurde das Wasser von der lebenden Schicht ferngehalten, mutmaßen die Forscher.

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Versuchshaus wird gebaut

Für drei Jahre ist das Projekt angesetzt und wird insgesamt mit 2,85 Millionen Euro gefördert. In einem nächsten Schritt, soll nun innerhalb eines Jahres ein solches Smart Home erbaut werden und die Forscher wollen anschließend eine Zeitlang in diesem verbringen und den Alterungsprozess dokumentieren. Sollten sich die Pilze als Baumaterialen beweisen können, würde das die Zukunft des Bauens revolutionieren, sind sich die beteiligten Wissenschaftler sicher. Auch der „Abriss“ solcher Gebäude könnte sich dann deutlicher einfacher gestalten. So könnten die Pilze nach ihrer Zeit als Haus zu Lagern, zu Energie oder als Nahrung recycelt werden, so die Forscher im Horizon-Magazin.

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