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Fischschleusen für Wasserkraftwerke

Fishcon: Linzer Startup produziert durch Fischwanderungen Strom

Bernhard Mayrhofer vor der Fishcon-Pilotanlage © Fishcon
Bernhard Mayrhofer vor der Fishcon-Pilotanlage © Fishcon

Auch sie könnten davon profitieren. Fällt das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) ist der Gedanke an Startups mit Fokus auf Photovoltaikanlagen nicht weit, aber auch Startups aus anderen Branchen fiebern dem neuen Gesetz entgegen. So auch das Linzer Startup Fishcon. Dieses hilft Wasserkraftwerken dabei die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union zu erfüllen. Sie bauen Fischschleusen und helfen Fischen so dabei, trotz den Kraftwerken ihre gewohnten Bahnen schwimmen zu können. Aber auch bei der Energiegewinnung unterstützt das Startup. So drosselt eine Turbine innerhalb der Schleuse zum einen die Fließgeschwindigkeit des Wassers und zum anderem erzeugt sie aus der Leitwasserströmung und Restwassermengen Energie. Nachdem das Startup bereits vor zwei Jahren eine erste Pilotanlage in Oberösterreich installiert hat, soll es dieses Jahr nun endgültig losgehen.

Zertifiziertes  System

Im März wurde nun endlich das EAG im Ministerrat beschlossen. Sehr zur Freude des Gründers von Fishcon, Bernhard Mayrhofer: „Das EAG scheint gut zu werden für uns.“ Das oberösterreichische Startup ist in dem dazugehörigen Leitfaden für Fischschleusen in Wasserkraftwerken mit ihrem System zur Gewährleistung der Wasserdurchlässigkeit enthalten.

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Die Fishcon-Schleuse besteht aus einem Zweikammern-System mit hydraulischer Verschaltung. Eine Kammer ist im Oberwasser geöffnet, die andere im Unterwasser – die Fische schwimmen ein und die Kammern öffnen am anderen Ende. Im Verbindungsrohr sitzt die Turbine, die die Fließgeschwindigkeit drosselt und Strom erzeugen kann – ein feiner Rechen verhindert eine Verschmutzung und das Einschwimmen von Fischen. Getestet wurde die Schleuse bisher in einer Pilotanlage in Oberösterreich an der Alm und in Aschacharm. Dass ihre Fischschleuse sich auch wirklich für die Fischwanderung eignet, wurde ihnen nun bereits zweimal offiziell bestätigt. Sowohl in Österreich als auch Deutschland wurde ihnen die fischökologische Wirksamkeit nach jeweiligem Länderstandard zertifiziert. Mit diesen Gutachten nun in der Tasche, richtet das Startup nun auch seinen Blick über die Landesgrenzen. Entsprechende Anfragen aus Deutschland und der Schweiz gäbe es schon, so Mayrhofer.

So sieht die Fishcon-Schleuse in der Praxis aus ©Fishcon
So sieht die Fishcon-Schleuse in der Praxis aus ©Fishcon

Erweiterungen der Schleuse im Test

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland hat das Startup bereits Bauvorhaben für die Fishcon-Schleuse für Kunden beantragt. Wann diese nun umgesetzt werden können, steht in der Luft. „Zwischen der Einreichung eines Projektes und dem tatsächlichen Baubeginn liegen im Durchschnitt 1 1/2 Jahre“, so der Gründer. Die Zwischenzeit nutzen sie nun aber bereits für neue Features ihrer Fishcon-Schleuse. Zum einen arbeiten sie an einen Monitoringsystem mit Videoauswertung. Dafür wird eine eine Reuse mit einer kleinen Kamera unter Wasser installiert, welche täglich für einen gewissen Zeitraum geöffnet wird. Die Fische können so gezählt werden, ohne dass eine manuelle Entnahme der Tiere notwendig ist.

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Zum anderen arbeitet das Startup an einem Kraftwerkskonzept. In diesem wird an die zwei-kammerige  Fishcon-Schleuse eine dritte ergänzt. So soll das Restwasser, welches sonst kaum genutzt werden kann, ebenfalls zur Energiegewinnung dienen. Dieses Jahr soll dieses Kraftwerkskonzept nun bei den Pilotanlagen umgesetzt und in der Praxis getestet werden.

Schleuse eignet sich nicht nur für Wasserkraftwerke

In den nächsten Jahren will das Startup nun mit seiner Fischschleuse weiter bekannt werden. Dabei haben sie nicht nur Wasserkraftwerke im Blick. Mit ihrem, nach eigenen Angaben, platzsparenden und günstigeren System im Vergleich zu anderen Anbietern, können sie Fischwanderungen auch bei Wehrbauwerken zum Hochwasserschutz garantieren. „Herkömmliche Wanderhilfen kosten im Schnitt 185.000 Euro“, erklärt er. Die Schleuse des Startups liege weit darunter – der genaue Preis richtet sich nach Größe und der genauen Fallhöhe. Genug Kunden am Markt sind zumindest auf jeden Fall gegeben.

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