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Falsche Assoziationen: Wir sollen anders über die Klimakrise reden

Wärme ist etwas Angenehmes © Unsplash
Wärme ist etwas Angenehmes © Unsplash

Unser Herz erwärmt sich, wir erwärmen uns für gute Ideen, mögen warmherzige Menschen und warmes Wetter. „‚Globale Erwärmung‘ ist also denkbar ungeeignet, wenn wir auf Gefahren und dringende Handlungsnotwendigkeiten hinweisen, die durch einen weltweiten Temperaturanstieg entstehen werden“, meint Peter Traupmann, der als Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur oft auf diese Dringlichkeit hinweisen muss.

Es ist ein Problem, auf das viel zu selten hingewiesen wird: Wir verharmlosen die Klimakrise sprachlich, verpacken sie in positive Begriffe. Einige Medien haben deshalb ihre Sprache bereits angepasst, zumindest in Teilbereichen. Da wird aus Klimawandel, der nach einem harmlosen, geradezu natürlichen Vorgang klingt, Klimakrise oder -Katastrophe.

Falsche Assoziationen, falsche Handlungen

Aber auch in der Energiebranche ist es wichtig, die Sprache anzupassen, um Klimaziele greifbarer und verständlicher zu machen, findet Traupmann. Es gebe etablierte Begriffe, die völlig falsche Assoziationen und damit letztendlich Handlungen auslösen würden: „In der Österreichischen Energieagentur arbeiten wir an Antworten für die klimaneutrale Zukunft. Diese Antworten möchten wir in einer Sprache geben, die nicht nur verständlich ist, sondern auch Handlungen auslöst und Verhalten ändert“.

Statt von Erwärmung zu reden, sollen wir über Erhitzung diskutieren. Der Begriff „Erderhitzung“ vermittle laut Energieagentur „eine Bedrohung unseres Lebens durch den weltweiten Temperaturanstieg“. „Erneuerbare Energie“ suggeriere, dass etwas erneuert werden müsse. Stimmt nicht, findet die Energieagentur und schlägt „unerschöpfliche Energie“ vor. Manche Begriffe würden nicht die falsche Assoziation auslösen, sondern vielleicht sogar gar keine. „Nur für ExpertInnen verständlich“ attestiert die Agentur beispielsweise dem Wort „Dekarbonisierung“ – „keine Abhängigkeit von Öl, Kohle und Erdgas“, soll man stattdessen sagen.

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Sprachliche Feinheit: Einschränkung oder mehr Möglichkeiten

„Beim Framing geht es in der öffentlichen Debatte darum, dass wir die Sprache mit unseren Werthaltungen und unseren Zielen zusammenbringen“, erklärt Christoph Hofinger vom Meinungsforschungsinstitut SORA im Gespräch mit Klaus Kraigher von der Energieagentur. „Wenn wir das ungeschickt machen, verwenden wir Worte und Sätze, die möglicherweise unseren Zielen und Werten nicht entsprechen oder die dafür sogar schädlich sind“. Ein gutes Beispiel dafür sei Verkehrspolitik. Es sei ein großer Unterschied, ob man kommuniziere, dass der Autoverkehr reduziert wird oder ob man sage, dass alternative Angebote wie Öffis ausgebaut werden, damit Menschen die Wahlmöglichkeit haben, ihr Auto stehen zu lassen. Ersteres versteht man wahrscheinlich als Einschränkung der Freiheit, Zweiteres als Ausbau der Freiheit.

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