Wie die Fairmittlerei mit häßlichem Duschgel Gutes tut

Sara Grasel - 21 Nov 2019

Michael Reiter mit einer Fairmittlerei-Lieferbox © Sofie Hörtler

Vielleicht klebt das Etikett schief, die Verpackung sitzt nicht oder hat die falsche Farbe: In Produktion und Handel landen etliche Produkte im Müll, weil sie für das Regal zu wenig perfekt sind. Oft palettenweise. „2.250 Tonnen Drogeriewaren werden jedes Jahr in Österreich weggeworfen“, sagt Michael Reiter. Er hat sich schon als Marketingmitarbeiter bei dem Konsumgüterhersteller Henkel mit dieser Frage auseinandergesetzt, denn auch dort wanderte so manches häßliche Duschgel in den Abfallcontainer.

Müll vermeiden und Menschen helfen

Gleichzeitig gibt es gemeinnützige Organisationen, die diese Produkte dringend brauchen würden. Deshalb hat Reiter gemeinsam mit ehemaligen Studienkollegen die Fairmittlerei gegründet – eine Art Online-Sozialmarkt, über den NGOs gegen eine Vermittlungsprovision gebrauchstüchtige Produkte vor dem Müll retten können. Das sei selbst für Social-Businesses selten, meint Reiter im Gespräch mit Tech & Nature: „Wir helfen dabei, Müll zu vermeiden und haben gleichzeitig einen sozialen Impact“. Mehr als 40.000 Kilogramm an Produkten hat das Startup nach eigenen Angaben bereits vermittelt.

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Die Produkte bekommt die Fairmittlerei direkt von Produzenten wie Henkel oder dem Handel wie Lidl oder Kastner zur Verfügung gestellt. „Ja, kostenlos“, bestätigt Reiter. Sie werden in der Regel von Freiwilligen abgeholt und in ein Lager gebracht. Die Mengen und die Art der Produkte sei ganz unterschiedlich, erzählt der Gründer. Mal sind es 5 Zelte, dann vielleicht ein Dutzend Matratzen oder ein paar Paletten Haarshampoo.

Nur NGOs dürfen in den Fairmittlerei-Shop

Dann landen diese Produkte im Webshop der Fairmittlerei. Der ist allerdings nicht öffentlich zugänglich – nur qualifizierte, gemeinnützige Organisationen können dort einkaufen. Dabei genüge es nicht einfach nur, eine NGO zu sein, der soziale Mehrwert müsse schon bemerkbar sein, betont Reiter. In dem Shop sind die Produkte kostenpflichtig und der Preis beträgt in der Regel 20 bis 25 Prozent des originalen Warenwerts.

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Direktspenden oft zu aufwändig

Warum die Unternehmen die Produkte nicht ohne Gebühr direkt spenden? „Wir wollen Direktspenden nicht angreifen“, sagt Reiter. Die gebe es natürlich weiterhin. Die Fairmittlerei helfe vor allem kleineren und mittleren Organisationen, die sich den Aufwand von Direktspenden nicht leisten können. Große NGOs haben in der Regel eigene Mitarbeiter, die gezielt bei Produzenten oder Händlern anrufen und eine Abholung von Über- und Ausschüssen koordinieren. Auf der anderen Seite ist es auch für Unternehmen ein großer Aufwand. Wenn eine Firma falsch produzierte Waren hat, müssten zunächst die Hilfsorganisationen durchtelefoniert werden, wer denn überhaupt Bedarf hätte, beschreibt der Gründer. Zu den Nutzern der Fairmittlerei zählen etwa die Heilsarmee, SOS Kinderdorf oder Vinzi Rast.

Das Startup selbst will auch als Non-Profit arbeiten. „Wir nutzen den Umsatz lediglich, um unsere eigenen Kosten zu decken“, so Reiter. Bisher sei das Jungunternehmen noch auf Zuschüsse von außen angewiesen. Das Team besteht neben den Gründern aus einer Angestellten und mehr als zehn ehrenamtlichen Mitarbeitern. In den nächsten zwei Jahren hofft Reiter, dass sich das Unternehmen selbst tragen und zwei Vollzeit-Mitarbeiter beschäftigen kann. Derzeit arbeitet die Fairmittlerei daran, auch in anderen Bundesländern ein Netzwerk aus Spendern und NGOs aufzubauen.

Hinter dem Text

Sara Grasel

Sara Grasel ist erfahrene Wirtschaftsjournalistin, leidenschaftliche Schreiberin und Chefredakteurin von Tech & Nature.

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