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Europäische Zentralbank: Aktionsplan für ein klimasicheres Finanzsystem

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Spätestens mit dem Aufkommen von grünen Bankingmöglichkeiten, wie dem Umweltcenter der Raiffeisenbank Gunskirchen oder der deutschen Neo-Bank Tomorrow, wurde noch einmal deutlich, dass Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit auch im Finanzbereich eine Rolle spielen müssen. Heute nicht in Maßnahmen gegen die Klimakrise zu investieren, verursacht am Ende nur noch mehr Kosten als aktuelle Investitionen. Das ergab eine Umfrage der New York University (NYU) unter 738 Ökonomen im April diesen Jahres, Tech & Nature berichtete. Laut den Befragten könnten sich die globalen ökonomischen Schäden durch den Klimawandel schon im Jahr 2025 auf 1,7 Billionen Dollar pro Jahr belaufen. In den meisten Szenarien würden die Kosten bis zum Jahr 2075 auf 30 Billionen Dollar ansteigen. Schäden würden auch für das Wirtschaftswachstum der meisten Länder entstehen.

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Die Notwendigkeit, Investitionen mit Klimaschutzmaßnahmen zu verbinden, hat nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) erkannt. Diese präsentierten daher aktuell einen umfassenden Maßnahmenplan, anhand welchem „Klimaschutzaspekte stärker in den geldpolitischen Handlungsrahmen des EZB-Rats“ einbezogen werden sollen, so die EZB in einer schriftlichen Erklärung. Als Gründe dafür werden die Beeinflussung der Preisstabilität durch die Klimakrise und die Umwandlung in eine nachhaltigere Wirtschaft unter anderem genannt. Außerdem prognostizieren sie Auswirkungen des Klimawandels und den damit verbundenen Maßnahmen auf den Wert und die Risikoprofile von Vermögenswerten.

Sechs Schwerpunkte enthält der Maßnahmenplan

Sechs Schwerpunkte hat die EZB in ihrem neuen Maßnahmenplan gesetzt, so die Informationen in der aktuellen Bekanntgabe.  Zum einen sollen die Entwicklung von neuen makroökonomischen Modellen und Beurteilungen der Bedeutung  für geldpolitische Transmissionen forciert werden, um so die Folgen des Klimawandels und der damit verbundenen Maßnahmen besser einschätzen zu können. Außerdem will die Notenbank „neue experimentelle Indikatoren, die relevante grüne Finanzinstrumente und den CO2-Fußabdruck von Finanzinstituten sowie die klimabezogenen physischen Risiken abdecken“ entwicklen, anhand derer bessere Risikoanalysen für Finanzinstitute zum Klimawandel durchgeführt werden können, heißt es.

Weiterhin plant die EZB Klimastresstests für 2022, um das Risiko des Eurosystems durch die Klimakrise erfassen zu können und will das Rahmenwerk für Bonitätsbeurteilungen im Eurosystems der zugelassenen Ratingagenturen auf die Informationen prüfen, welche zum Verstehen der Klimarisiken für Bonitätsbeurteilungen nötig sind. Außerdem sollen zukünftig relevante Klimarisiken bei „der Prüfung der Bewertung und der Risikokontrollmaßnahmen für Vermögenswerte“ berücksichtigt werden, heißt es in der Mittelung und man will die Marktentwicklungen bei Nachhaltigkeitsprodukten überwachen und sei bereit, Innovationen zu nachhaltigem Finanzwesen innerhalb des eigenen Mandates zu fördern.

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„Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten“

Auch bei Anleihen sollen die Folgen der Klimakrise zukünftig mehr Bedeutung haben. So habe man bereits begonnen, eim Kauf von Unternehmensanleihen“relevante Risiken des Klimawandels“ im Prüfverfahren für den Ankauf von Vermögenswerten zu berücksichtigen, so die EZB. Außerdem sollen zukünftig die Regelungen, nach welchen die Zuteilungen der Unternehmensanleihen orientiert werden, um Klimakriterien ergänzt werden. Ein Kriterium soll sein, dass die Emittenten wenigstens mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang stehen oder sich zu diesen Zielen bekannt haben, so die Notenbank.

Auch sollen neue Offenlegungsanforderungen als „neues Zulassungskriterium oder als Grundlage für eine differenzierte Behandlung als Sicherheit oder im Rahmen der Ankäufe von Vermögenswerten für Vermögenswerte im privaten Sektor“ folgen. Weitere Details dazu will die EZB aber erst im nächstes Jahr bekannt geben. Die Umsetzung und Einhaltung dieser Maßnahmen soll das neue Kompetenzzentrum Klimawandel der EZB in enger Zusammenarbeit mit dem Eurosystem überwachen. Mit diesen Maßnahmen will die EZB  ihren „Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels, im Einklang mit ihren Verpflichtungen gemäß den EU-Verträgen“ leisten, so die aktuelle Ankündigung.

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