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EU-Taxonomie: Atomkraft könnte doch als grüne Investition durchgehen

© Dan Meyers / Unsplash
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Die europäische „Green Finance Taxonomy “ soll einen Bereich nachhaltiger gestalten, der bisher für die meisten eher undurchsichtig wirkte – die europäische Finanzwelt. Mit der EU Taxonomie wird  es erstmalig eine verbindliche, innerhalb des Staatenverbundes gültige Definition von ökologisch nachhaltigen Aktivitäten und Investitionen geben. Ab dem ersten Jänner 2022 ist deren Anwendung für den Bereich Klimawandel geplant und ein Jahr später dann für andere umweltrelevante Bereiche, wie eine funktionierende Kreislaufwirtschaft oder der Schutz der Meere.

Die Technical Expert Group on Sustainable Finance (TEG), bestehend aus ca. 100 Experten, hat im März 2020 in einem Bericht Technologien und Bereiche auf ihre Eigenschaften hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit im Bezug auf den Klimaschutz und andere Umweltbereiche untersucht. Gemäß diesen Berichtes, wurde die Atomkraft nicht in die EU-Taxonomie aufgenommen. Jetzt schlägt die Umweltorganisation Global 2000 aber Alarm. Laut eigenen Aussagen wurde ihnen ein „Pro-Nuklearer Geheimbericht“ des Joint Research Centre  zugespielt. Dieser könnte die Einteilung der Atomkraft im Bezug auf die EU Taxonomie ändern.

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Keine Beweise für Auswirkungen auf Gesundheit oder Umwelt

Das Joint Research Centre (JRC) ist die gemeinsame Forschungseinrichtung der Europäischen Kommission. Dieses forscht unter anderem zur Sicherheit und Gefahrenabwehr im Nuklearbereich. Diese Forschungen werden von der Europäischen Atomgesellschaft finanziert. In einem aktuellen Bericht hat nun das JRC  eine weitere Untersuchung der Atomkraft für ihre Eignung in der EU-Taxonomie vorgenommen. Laut dem aktuellen Bericht, konnte die Analyse keine „wissenschaftlich fundierten Beweise dafür (finden), dass die Kernenergie der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt mehr Schaden zufügt als andere Stromerzeugungstechnologien, die bereits in der Taxonomie als Aktivitäten zur Unterstützung des Klimaschutzes aufgeführt sind“. In dem vorausgegangen Bericht der TEG, hatten diese unter anderem die weiterhin ungeklärte Frage der Endlagerung von Atommüll als Gegenargument angeführt. Dafür wurden in dem Bericht nun Lösungsvorschläge beschrieben, welche laut der Atom-Sprecherin von Global 2000, Patricia Lorenz „gekonnt verschleiern“ und die wichtigsten Fragen in der Atomenergie „durch eine rosa Brille verzerrt darstellen. “

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Kritik zur Endlagerung und Sicherheit

Insbesondere auf die Inhalte zur Sicherheit und Endlagerung des Atommülls in dem Bericht geht Global 2000 in einer aktuellen Aussendung gesondert ein. So sei ihrer Meinung nach der im Bericht enthaltene Vorschlag, neue Sicherheitskriterien für neue Reaktoren auf alte anzuwenden, weder technisch noch wirtschaftlich in der Praxis machbar und beruht auf einer Idee von vor 10 Jahren, ausgelöst durch die EU Stresstests. Auch die im Bericht beschriebenen Atommüll-Entsorgungskonzepte für geologische Tiefenlager zweifelt die Umweltschutzorganisation an. Insbesondere bemängeln sie die Aussagen, dass es gemäß des allgemeinen Konsens die beste Art der dauerhaften Einlagerung des Atommülls wäre. Der aktuellen Aussendung zufolge, sei die Aussage 20 Jahre alt und es gäbe neue Bedenken wegen der Korrosion der Container, welche für den Atommüll bisher vorgesehen wären.

Der Bericht des JRC wird nun zwei wissenschaftlichen Gremien zur Prüfung des Sachverhaltes vorgelegt, zum einen Sachverständigen gemäß des Artikel 31 des Euratom-Vertrags und der SCHEER31. Auf Nachfrage von Tech & Nature gab Global 2000 an, sich nun schriftlich an die beiden Expertengruppen wenden zu wollen. Außerdem wollen sie „die EU-Kommission auffordern, weniger auf Lobbys und mehr auf Fakten zu hören“, so Patricia Lorenz, Atomsprecherin von Global 2000.

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WWF kritisiert Vorschlag zu Erdgas

Bereits in der vergangenen Woche zeigten sich Umweltorganisationen wegen der EU-Taxonomie besorgt. In einem offenen Brief des WWF gemeinsam mit 226 Finanzinstitutionen, Wissenschaftler:innen und NGOs forderten diese die Europäische Kommission auf, neue Erdgasprojekte nicht als ökologisch nachhaltig einzustufen. Der Auslöser für den Brief war den Aussagen des WWF zufolge, der Vorschlag der EU Kommission, neue Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen auf Erdgasbasis als „grün“ einzustufen, wenn diese stillgelegte Kohlekraftwerke ersetzten. Dieses Vorgehen ist unter anderem für den Ausstieg Deutschlands aus der Kohle bis 2038 geplant.

Bereits für Ende des letzten Jahres wurde mit dem delegierten Rechtsakt von der Europäischen Kommission für den ersten Teil der Taxonomie gerechnet. Bisher kam der noch nicht. Laut Lorenz von Global 2000, rechnet sie nun mit diesem bis Ende April 2021.

 

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