Gastbeitrag

Warum wir sofort unsere Ernährung umstellen müssen

Steak, Fleisch, Lebensmittel, Ernährung
© Unsplash

Kürzlich ließen meine Kinder nicht mehr locker, als es um die Herausforderungen des Klimawandels ging: „aber warum …“ wiederholten sie immer wieder. Ich erklärte auf sachliche Art und Weise, dass die globale Durchschnittstemperatur seit 1880 um etwa 1,1 Grad gestiegen ist, und wenn wir nichts an unserem Verhalten ändern, sagen Wissenschaftler voraus, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2050 um 2,3 Grad steigen wird.

„Aber warum ist das passiert?“

Es waren nicht die Tiere; wir Menschen waren es, die diese Entwicklung ausgelöst haben. Seit der industriellen Revolution in der Mitte des 18. Jahrhunderts haben wir fast 2,5 Billionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre befördert. Mit all den neuen Erfindungen (Flugzeuge etc.) und der Veränderung der Lebensweise (Betonbauten, Kunststoffprodukte aus China etc.) haben wir auch die Art und Weise verändert, wie wir essen (Steak aus Südamerika, Fisch aus Japan etc.).

„Aber warum können wir nicht einfach aufhören, Plastik zu kaufen, und alles wird wieder in Ordnung sein?

Unser Planet ist ein sensibles und komplexes Ökosystem. Wir müssen unser Verhalten in allen Bereichen ändern und alle SDGs (Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen) angehen, um diese Entwicklung zu stoppen und die Natur für unsere Kinder zu erhalten.

Selbst wenn ihr nicht mehr mit Plastikspielzeug spielt, ist das immer noch zu wenig, und wenn wir jetzt nicht handeln, wird das eine Kettenreaktion auslösen. Wenn die Erderwärmung im gleichen Tempo weitergeht, wird z.B. das Tauen des Permafrostes eine beträchtliche Menge Methan freisetzen. Das könnte dazu führen, dass sich der Planet über Hunderte von Jahren erwärmen wird. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln.

„Aber warum kann nicht einfach jemand etwas dagegen tun?“

Ja, diejenigen, die jetzt reagieren müssen, sind wir. Wir sind die Konsumenten und die Wähler. Wir müssen unsere Denkweise ändern, denn wir haben die Macht. Es ist anstrengender, Dinge zu ändern, als so weiterzumachen wie bisher. Konsumenten und Wähler müssen eine führende Rolle übernehmen.

Wenn wir Plastikspielzeug reduzieren, die richtigen Lebensmittel essen oder nachhaltig produzierte Produkte kaufen, werden Produzenten ihre Produktion ändern. Wenn es allerdings keinen Markt für nachhaltige Produkte gibt und wir als Verbraucher unser Kaufverhalten nicht ändern, werden die Produzenten nicht in eine Änderung ihrer Produktion investieren.

Wenn wir Regierungen wählen, die sich ernsthaft auf eine nachhaltige Entwicklung konzentrieren, dann wird das die Struktur unserer gesamten Wirtschaft verändern, da Anreize und Regulierung diesen Wandel fördern werden.

„Aber warum fangen wir nicht mit der einen Maßnahme an, die die schnellste und größte Wirkung hat?

Jetzt haben mich meine Kinder auf den Boden der Realität geholt. Es war Zeit, mit dem Reden aufzuhören und sich einen schnellen und soliden Plan auszudenken. Etwas, bei dem auch die Kinder Einfluss nehmen können. Die Nutzung erneuerbarer Energie und öffentlicher Verkehrsmittel ist in unserem Haushalt bereits Realität. Nachdem ich mir die Bereiche mit dem größten CO2-Ausstoß angesehen hatte, konzentrierte ich mich auf die Lebensmittelbranche, und hier ist der Grund dafür:

  1. Die Weltbevölkerung wächst und jeder konsumiert mehr. Bis 2030 müssen zusätzlich 2 Milliarden Menschen ernährt werden. Enormes Wachstum und globale Trends führen zu einem weltweiten Rennen, Güter so effizient wie möglich auf der einen Seite des Planeten zu produzieren und sie auf der anderen Seite zurück zu den Konsumenten zu transportieren.
  2. Nahrungsmittel benötigen Wasser und Energie. 70% des weltweiten Wasserverbrauchs werden für die Landwirtschaft verwendet. Keine andere Industrie hat einen größeren Einfluss auf unsere Landschaft. 50% der bewohnbaren Fläche der Welt wird für die Landwirtschaft genutzt. Über 2/3 dieser bewohnbaren Fläche wird für die Viehzucht genutzt (entweder für die Tiere selbst oder für Futterpflanzen).
  3. Nahrungsmittel sind für mehr als ein Viertel (26%) der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Sie gefährden die Artenvielfalt unserer Tierwelt, da sie sich auf wenige Tiere für die Massentierhaltung konzentrieren. So droht die Ausrottung von 90% der Arten der Roten Liste der IUCN durch Landwirtschaft und Aquakultur.

Jetzt wissen wir also, in welche Richtung es gehen muss. Aber welche Lebensmittel sollten wir reduzieren oder ganz weglassen? So schwer es auch fallen mag, gute Steaks stehen auf dieser Liste ganz oben.

Das liegt daran, dass CO2-Emissionen durch Dünger, Energie und Landnutzung beim Anbau und bei der Fütterung der Kühe entstehen. Tierische Lebensmittel haben daher einen größeren CO2-Fußabdruck als Nahrungsmittel auf Pflanzenbasis. Die Produktion von Rindfleisch verursacht pro Gramm Eiweiß 20-mal mehr Flächenverbrauch und Emissionen als der Anbau von Bohnen und erfordert 10-mal mehr Ressourcen als die Produktion von Hühnern. Lamm-Fleisch und Ziege haben ebenfalls einen großen Fußabdruck, da diese wieKühe Methan freisetzen, welches eine noch schlimmere Wirkung auf das Klima hat als CO2.

Vergleicht man Lebensmittel über Nährwert und Umweltauswirkungen, kommt man auch zu dem Schluss weniger Rindfleisch zu essen. Lebensmittel mit einer geringeren Umweltbelastung werden auch von Ernährungswissenschaftlern wegen ihres gesundheitlichen Nutzens mehr empfohlen. Deshalb sollten Lebensmittel mit hoher Umweltbelastung und geringerem Nährwert wie Rindfleisch nur in Maßen verzehrt werden.

Wenn ihr Fleisch noch nicht vollständig von eurem Speiseplan streichen könnt oder es nicht durch andere fleischähnliche Produkte aus Pflanzen ersetzen wollt, probiert doch einmal das:

Wenn du Rindfleisch durch Hühnerfleisch ersetzt, kannst du deinen ernährungsbedingten CO2-Fußabdruck halbieren.

Da haben wir also eine enorme Schlagkraft. Ich weiß, dass Veränderungen nicht einfach sind, selbst in meiner Familie. Steak, Würstchen und Fisch auf dem Grill oder in einem Sandwich zu ersetzen, wird nicht von einem Tag auf den anderen funktionieren. Man muss nicht sofort Vegetarier werden, aber auch kleine Schritte haben eine große Wirkung. Wenn ihr es schafft, an nur zwei Tagen in der Woche kein Fleisch zu essen, könnt ihr bereits 210 kg CO2 pro Jahr einsparen.

Um den CO2-Ausstoss bis 2030 auf 146 Mio. Tonnen pro Jahr zu reduzieren, fordert die EU-Kommission auch die Reduktion von Fleisch damit sie 30 Mio. Tonnen (=20% der Gesamtmenge) CO2 pro Jahr einzusparen kann. Das bedeutet, dass wir alle beginnen müssen, unser Verhalten zu ändern, um dieses Ziel zu erreichen und den Klimawandel zu stoppen.

„Aber warum motivieren wir nicht auch andere dazu, etwas zu tun?“

Richtig, gemeinsam fallen Veränderungen leichter und sind effektiver. Beginnt doch mit eurer Familie oder Freunden und deren Ernährungsgewohnheiten. Der erste Schritt besteht darin, das Bewusstsein zu schärfen und mehr über die Herkunft von Lebensmitteln und verantwortungsbewusste Produkte zu erfahren. Ziel sollte es sein, 3 Bereiche anzugehen, um den CO2-Fußabdruck im Lebensmittelbereich zu verringern:

1. Art der Lebensmittel: Weniger Fleisch- und Milchkonsum aufgrund der höchsten CO2-Emissionen.

2. Lebensmittelherkunft: Konzentriert euch auf Lebensmittel, die regional in der Saison liegen, um den CO2-Ausstoß für den Transport zu senken.

3. Lebensmittelabfälle: Reduziert, was ins Haus kommt und was weggeworfen wird.

Alternativ gibt es auch großartige Initiativen, denen man sich anschließen kann. Meine Empfehlung ist die Community Impact Challenge von Insead, einer der führenden Business Schools der Welt. Diese beliebte Challenge zu Ernährungsgewohnheiten läuft von 15. Oktober 2020 bis Mitte Dezember 2020. (Anmeldung unter https://bit.ly/CICEarly).

Das Programm richtet sich an vielbeschäftigte Führungskräfte und bringt deshalb Vieles direkt auf den Punkt. In einer intuitiven App wird mit Gamification Methoden einfach und mit Spass die Änderung der Ernährungsgewohnheiten unterstützt.:

  • Fortschritte bei den individuellen Essgewohnheiten verfolgen
  • Schätzung des eigenen CO2-Fußabdrucks bei der Essenswahl erfahren
  • Infos dazu, wie sich tägliche Entscheidungen darauf auswirken
  • Tipps und Tricks zum Erfolg

Welchen Weg ihr auch immer geht, versucht andere mitzureißen und zu begeistern. Wir können die Klimakrise nicht allein lösen. Wir müssen alle zusammenarbeiten, um dieses einzigartige Ökosystem für die nächsten Generationen zu retten.

Quellen:

Tulane University, Rose Diego Diet and Planetary Health

Our World in Data, Environmental impacts of food

Double food and environmental pyramid model developed by the BCFN Foundation

McKinsey Climate Change Report September 2020


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Englisch auf LinkedIn.

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