Schifffahrt

Energy Observer: Das Wasserstoff-Schiff in besonderer Mission

© Energy Observer
© Energy Observer

Es ist eine siebenjährige Reise rund um den Globus, die eines zum Ziel hat: Sie soll beweisen, dass eine emissionsfreie Schifffahrt möglich ist. Während Elektroautos auf unseren Straßen Normalität werden, sind alternative Antriebe, die ohne Verbrennungsmotoren auskommen, auf hoher See eine Seltenheit. Klar sind Segelschiffe und Elektroboote ebenfalls weit verbreitet, doch ein Schiff, dass neben Solarzellen und Wind auch mit Wasserstoff angetrieben wird?

Genau so ist die französische Energy Observer ausgestattet. Sie ist seit einigen Jahren unterwegs und hat dieses Jahr während Corona eine zukunftsweisende Demonstration geschafft. Sie und ihre Crew hat die etwa 9.000 Kilometer lange Reise von Saint-Malo in Frankreich bis nach Fort-de-France in Martinique geschafft, ohne einen Tropfen Sprit zu brauchen.

„Schwimmendes Laboratorium“

„Die Überquerung des Atlantiks mit diesem schwimmenden Laboratorium sendet eine starke Botschaft an die Entscheidungsträger, da es die höchste Zuverlässigkeit und Belastbarkeit unserer CO2-armen Systeme demonstriert“, ließ Kapitän Victorien Erussard die Welt wissen. „Wir können und müssen die Energiemodelle wechseln. Massive Investitionen für den wirtschaftlichen Aufschwung sind erforderlich, damit wir eine ganz neue Welt aufbauen können, die nicht mehr auf fossilen Brennstoffen beruht.“

Ursprünglich war eigentlich geplant, dass die Energy Observer bis nach Japan (über den Panamakanal und Hawaii) fahren sollte, um dort rechtzeitig zu den Olympischen Spielen einzutreffen. Nach deren Corona-bedingter Absage wurden die Pläne dann aber geändert. Ziel ist aber weiterhin, möglichst viele Häfen der Welt anzulaufen, um dort die Technologie bekannt zu machen. Die Energy Observer war etwa das erste Wasserstoff-Schiff, dass die Arktis bei Spitzbergen in Norwegen erreichte.

Wind, Sonne, Wasser

Ausgestattet ist die Energy Observer mit mehreren Energiequellen:

  • Das Deck des Schiffs ist mit Solar-Panelen bedeckt, die auf insgesamt 202 Quadratmetern Strom produzieren und diese in die Batterie an Bord speichern
  • Das Schiff ist mit zwei Segeln mit jeweils 31,5 Quadratmetern Fläche ausgestattet, die vom Computern in die richtige Richtung ausgerichtet werden
  • Wenn das Schiff mit Windkraft fährt, dann dreht sich der Propeller des Elektromotors in die entgegengesetzte Richtung und kann die Batterie des Schiffs als Turbine mit Extrastrom versorgen
  • An Bord wird mit Hilfe von Elektrolyse Wasser in die Elemente Wasserstoff und Sauerstoff getrennt. Der Wasserstoff wird für die Brennstoffzelle an Bord verwendet
  • Die Brennstoffzelle, die von Hersteller Toyota stammt, setzt den an Bord produzierten Wasserstoff ein, um Strom für den Elektromotor zu generieren – ganz so, wie es auch an Bord von Wasserstoffautos passiert

Nachdem aus den Plänen, die Olympischen Spiele in Tokio zu besuchen, nichts wurde, hat die Energy Observer im Mai ihren Kurs geändert. Sie ist in Richtung Pazifik und ins Amazonasgebiet aufgebrochen und soll danach in den Pazifik gelangen, um dort die Galapagos-Inseln zu besuchen.

„Um ihre Mission erfolgreich zu erfüllen, wird die Besatzung monatelang völlig autark leben“, heißt es. Das Trinkwasser an Bord wird etwa durch Entsalzung von Meerwasser an Bord produziert, und die Nahrung wird beim Fischen geholt oder durch hydroponischen Anbau von Gemüse an Bord. „In jedem Fall geht es darum, nur das zu konsumieren, was die Natur ihnen bieten kann.“

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