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CO2-Ausstoß: So schlecht ist Netflix für das Klima

Netflix boomt in der Coronavirus-Krise. Wie steht es mit dem CO2-Verbrauch? © Netflix
Netflix boomt in der Coronavirus-Krise. Wie steht es mit dem CO2-Verbrauch? © Netflix

Netflix hat zum ersten überhaupt mehr oder weniger konkrete Details über den eigenen CO2-Fußabdruck veröffentlicht. Demnach soll eine Stunde Streaming weniger CO2 ausstoßen als die „Fahrt eines durchschnittlichen Autos über eine Viertelmeile“, also rund 400 Meter. Ist Binge-Watching damit nachhaltig? Auch nicht unbedingt.

Netflix: „Dimpact“ misst CO2-Ausstoß

Mit Hilfe eines Tools namens „Dimpact“, das von Forschern der Universität Bristol entwickelt wurde, will Netflix den CO2-Ausstoß messen und in weitere Folge auch reduzieren. „Netflix oder jeder andere Anbieter kann nicht einfach einen Stromzähler an die Infrastruktur anschließen und herausfinden, wie viel Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt wurde“, erklärte Daniel Schien, einer der Erfinder von Dimpact, gegenüber Wired. Darum brauche es sein Tool: Dimpact sei „ein ausgeklügelter Rechner“, der Unternehmen der digitalen Medienbranche dabei helfen soll, ihren CO2-Fußabdruck zu erfassen und zu verwalten. Es gebe vier Module, die jeweils verschiedene Sektoren repräsentieren – Video-Streaming, Werbung, Publishing und „Business Intelligence“. Im Fall von Netflix bestehe das Video-Streaming-Modul aus einer Gesamtmenge aller Prozesse, „die Netflix in seiner Organisation vorfindet“.

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Emissions-Hotspots

Mit dem Tool will der US-Riese „Emissions-Hotspots“ identifizieren können, um die Dienste dann umweltfreundlicher zu gestalten. TV-Sendungen, die von Nutzern in Großbritannien gestreamt werden, könnten zum Beispiel in Rechenzentren in Großbritannien gehostet werden, nennt Wired ein Beispiel – allerdings braucht es dafür nicht unbedingt ein Messtool. Denkbar wäre aber auch, Geräte von der Ferne schneller abzuschalten, wenn sich niemand anschaut, was gerade gestreamt wird. Netflix soll dadurch künftig auch in der Lage sein, mit anderen Unternehmen in seiner Lieferkette – wie Amazon Web Services – zu verhandeln, um Emissionen zu reduzieren.

Egal, ob Kino oder Netflix

Damit springt der Streaming-Anbieter sehr spät auf den fahrenden Zug auf. Unternehmen wie Apple, Microsoft und Facebook haben bereits angekündigt, die Emissionen bis 2030 auf null zu reduzieren, Google will zumindest ausschließlich mit erneuerbaren Energien arbeiten. Netflix hat hingegen noch keine genauen Ziele genannt, will aber Ende des Monats ein Whitepaper veröffentlichen, um die Ergebnisse zu validieren. Vorerst hat Netflix folgende Zahlen errechnet: Eine Stunde Streaming entspreche in etwa einem typischen 75-Watt-Deckenventilator, der vier Stunden in Nordamerika oder sechs Stunden in Europa läuft, oder einer typischen 1.000-Watt-Fenster-Klimaanlage, die 15 Minuten in Nordamerika oder 40 Minuten in Europa läuft. Heißt: Wer auf Netflix verzichtet, dafür aber mit dem Auto ins Kino fährt, kann auch gleich zuhause bleiben. Co2-neutraler wäre ein Spaziergang.

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