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Bulgarisches Startup Difold will mit Origami-Flaschen Müll reduzieren

Die drei Stufen des Flaschen-Faltens © Difold
Die drei Stufen des Flaschen-Faltens © Difold

Im Jahr 2020 gab der Nachhaltigkeits-Chef von Coca-Cola bekannt, dass das Unternehmen weiterhin Millionen Tonnen-Plastikflaschen jährlich produzieren wird, weil es immer noch eine Nachfrage gibt. Laut einer Studie landeten in den vergangenen zehn Jahren schätzungsweise vier Billionen Plastikflaschen im Abfall und 79 Prozent aller jemals erzeugten Plastikabfälle sammelten sich auf Deponien an. Jedes Jahr kommen Millionen Vögel, Fische und andere Meereslebewesen durch Plastikmüll ums Leben. Man kann Unternehmen sicherlich vorwerfen, dass sie Profit über den Umweltschutz stellen. Es stimmt aber auch, dass ihr Handeln meistens von der Nachfrage abhängt.

Das Ziel des bulgarischen Startups Difold ist es, Nutzern Bequemlichkeit zu garantieren und Menschen gleichzeitig zu motivieren, Flaschen mehrfach zu nutzen. Nach mehr als zwei Jahren Forschung und Entwicklung steht das Unternehmen, das sich mit faltbarer Verpackungstechnologie beschäftigt, kurz vor dem Marktstart seines ersten Produkts – eine recycelbare Origami-Flasche, die gefaltet so gut wie keinen Platz beansprucht. 

Spendenziel in wenigen Stunden geknackt

„Die DiFOLD-Origami-Flasche spart Platz und kann überall hin mitgenommen werden. Sie passt zu dem Leben, das Sie führen, nicht umgekehrt. Unser Ziel ist es, eine neue Perspektive auf die Verpackung zu schaffen. Wenn wir eine Community aus Nutzern aufbauen, die auf Einwegplastik verzichten wollen, wird dies auch das Interesse von B2B-Kunden wecken“, sagt Radina Popova, eine der beiden Mitbegründer von Difold.  

Nun, die Community scheint sich zu formieren – mit fast 3.000 Unterstützern und über 116.000 Euro wurde die Crowdfunding-Kampagne des Unternehmens auf Kickstarter zu einem vollen Erfolg und erreichte ihr Spendenziel in weniger als vier Stunden. Jetzt bereitet sich Difold auf die Produktion und die Erfüllung der ersten Aufträge bis zum Jahresende vor.

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Wie alles begann

Die Idee für die Difold-Klapptechnik stammt vom anderen Mitbegründer des Teams – dem Erfinder Petar Zaharinov. Dabei ließ er sich von der japanischen Papierkunst Kirigami inspirieren. Der gelernte Architekt interessierte sich zu Beginn seiner Karriere nicht wirklich für Produktdesign, doch dann stieß er auf die Jakobsleiter – ein Spielzeug, das ihn dazu bewegte, herausfordernde geometrische Systeme zu erforschen. Im Laufe der Jahre kreierte Zaharinov die Puzzle-Möbel Praktrik und das modulare Wandsystem WallStack, wo er auf Popova traf. 

Radina Popova und Petar Zaharinov haben Difold gegründet © Difold
Radina Popova und Petar Zaharinov haben Difold gegründet © Difold

Im Jahr 2018 begannen die beiden an dem damals als Hyperfold bekannten Unternehmen zusammenzuarbeiten. Sie wurden in das Accelerator-Programm von Climate-KIC in Sofia aufgenommen und erforschten das Business-Potential faltbarer Designs in verschiedenen Branchen. Schließlich beschließen Popova und Zahariev, sich auf wiederverwendbare Verpackungen zu konzentrieren. Einige Prototypen und Tests später, war die Origami-Flasche erfunden. 

Einige Zeit lang suchte DiFold nach Kapital. Anfang 2020 schloss das Team eine Business -Angel-Runde ab, die in die Vorproduktion und die neuesten Produktmuster sowie in die Entwicklung einer Crowdfunding-Kampagne investiert wurde. 

“Wir brauchten mehr als sechs Monate, um eine Gemeinschaft aufzubauen, die an der Difold-Origami-Flasche interessiert war. Jeder sprach über die Kampagne und hinter diesem viralen Effekt steckte eine Menge Vorbereitung – wir haben gezielte Anzeigen geschaltet, Newsletter und Umfragen verschickt, Medien kontaktiert, die dafür bekannt sind, dass sie Buzz erzeugen”, erklärt Popova. 

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Eine Flasche in der Tasche

Das Design von Difold besteht aus Modellen mit geometrischen Mustern, die es ermöglichen, die Röhrenform flach zu drücken. So nehmen sie 10% ihres ursprünglichen Volumens ein und bieten gleichzeitig eine große Stabilität, wenn sie entfaltet werden. Dass Flaschen bequem mitgenommen werden können, mag die erste Anwendung sein. Das Konzept dahinter kann auch auf klappbare Behälter angewendet werden, die den Transport optimieren und CO2-Emissionen einsparen. 

„Es ist wichtig zu erwähnen, dass das Material, das wir für die Origami-Flasche verwenden, ein teilweise biobasiertes thermoplastisches Polymer, ohne Qualitätsverlust mehrfach recycelt werden kann“, so Zaharinov. Das Material ist klebfest und es kann leicht mit einer Flaschenbürste oder in der Spülmaschine gereinigt werden. Die Flasche ist auch an den Faltstellen robust. Dabei verspricht Difold mindestens 5 Jahre intensiven Gebrauch. 

Nach dem Einsatz des 3D-Drucks bei der Entwicklung des Prototypen, geht Difold nun zum Spritzguss als Technik für die Herstellung der marktreifen Flaschen über. Das Unternehmen hat bereits einen Partner in China und bereitet sich auf die Herstellung neuer Formen vor. Darüber hinaus hat das Team bereits eine Patentanmeldung für das Technologie-Design eingereicht.

Zero Waste Verpackungen in die Massenproduktion

In den nächsten Monaten wird sich Difold vor allem auf die Herstellung und den Versand von Kickstarter-Aufträgen konzentrieren. Außerdem denkt der Anbieter innovativer Verpackungen über seine künftige Vertriebs- und Marketingstrategie, eine anschließende Crowdfunding-Kampagne in Japan und eine VC-Seed-Runde nach, um sein Team zu vergrößern und die nächsten Produkt-Meilensteine zu erreichen.  

Zwar beginnt Difold mit einem Fokus auf B2C, aber das Unternehmen sieht auch Chancen im B2B-Bereich – sowohl beim Verkauf an Arbeitgeber und Veranstalter als auch bei offenen Kooperationen mit Getränkeunternehmen. Derzeit finden Gespräche mit der F&E-Abteilung von Nestlé in der Schweiz statt, und im vergangenen Jahr präsentierte Difold seine Technologie der Supermarktkette ALDI sowie Procter & Gamble. Wenn die Kundennachfrage steigt, werden sie vielleicht auch in den Unternehmensbereich vordringen.

Für die Zukunft plant Difold weitere kompakte, wiederverwendbare Produkte auf den Markt zu bringen, die in größerem Maßstab in Zero Waste Shops wie dem LOOP-Store implementiert werden sollen. 

„Im letzten Jahr haben wir begonnen, uns um abfallfreies Einkaufen in großem Maßstab zu bemühen, insbesondere in entwickelten Märkten. Die Marken setzen zunehmend verschiedene Arten innovativer Verpackungen ein, die mindestens 100 Mal wiederverwendet werden können. Größere klappbare Behälter für die Logistikbranche sind ebenfalls eine Möglichkeit, aber im Moment konzentrieren wir uns auf die Origami-Flasche, und dann werden wir sehen, was die nächsten Produkte sein werden“, erzählen Popowa und Zaharinow über ihre Zukunftspläne. 

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