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In-Vitro Forschung

Bluu Bioscience: Berliner Startup sammelt 7 Mio. Euro für Fisch aus dem Labor ein

Die beiden Gründer des Startups ©Bluu Biosciences
Die beiden Gründer des Startups ©Bluu Biosciences

Warum sich viele Startups mit Schwerpunkt auf In-Vitro Forschung im ersten Schritt der Erforschung von Laborfleisch zu wenden, lässt sich leicht ergründen. Immerhin ist die Viehzucht, insbesondere die Rinderhaltung, ein schwerwiegender Emmisionstreiber. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht auch in anderen Bereichen vielversprechende Möglichkeiten für junge Startups gibt. Das Berliner Startup Bluu Bioscience hat das erkannt. Sie arbeiten an kultiviertem Fisch aus dem Labor. Jetzt konnten sie sich dafür in einer aktuellen Finanzierungrunde 7 Millionen Euro Investment sichern.

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Lösung für Überraschung und Aquakulturen

Sie sind den eigenen Angaben nach Europas erstes Bio-Tech Startup, welches sich auf die Kultivierung von Fisch fokussiert. Mit der Gründung des Startups Bluu Bioscience 2020, wollen die beiden Gründer, der Meeres- und Zellbiologe Sebastian Rakers und Simon Fabich, die Forschung im Bereich des zellbasierten Fisches forcieren und so Problemherden in der Welt begegnen: „Zellbasierter Fisch hat das Potenzial, einen großen Teil der Menschheit zu ernähren. Unsere Aufgabe ist es, die Erkenntnisse aus der biotechnologischen Forschung zügig zu operationalisieren, um dieses Potenzial zu heben“, so Rakers. Nach Angaben der Vereinten Nationen gelten 90 Prozent der internationalen essbaren Fischbestände als maximal befischt oder überfischt. Auch Aquakulturen für die Fischhaltung sind zumeist wenig nachhaltig.

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So entsteht zeltbasierter Fisch ©Bluu Biosciences

 

Die Lösung für diese Fragestellungen könnte zeltbasierter Fisch sein. In der Herstellung weicht dieser nicht von der Kultivierung von Fleisch ab. Aus Fischzellen entwickeln sich in einem Nährmedium in einem Bioreaktor Fischfleischfasern. Auch bei der Gewinnung von künstlichem Fisch, soll der Wasser- und Energieeinsatz deutlich geringer sein, als bei der herkömmlichen Aquakultur und auch, durch so wegfallende Transporte, sollen sich die CO2-Emissionen pro Fisch verringern. „Bluu Biosciences ist angetreten, schmackhafte und nährstoffoptimierte Fischprodukte aus Fischzellen herzustellen, die frei von Gentechnik, Antibiotika und Umweltgiften sind“, so Rakers.

Internationaler Wettbewerbsvorteil

Mit der aktuellen Finanzierung von sieben Millionen Euro soll nun die biotechnologische Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Unternehmens sowie die Produktentwicklung weiter ausgearbeitet werden. Auch wenn sie weltweit nicht einzigen sind, welche an zeltbasiertem Fisch arbeiten, hat das Startup eigenen Angaben nach einen Wettbewerbsvorteil. Bevor Rakers zusammen mit Fabich das Startup gründete, arbeitete der Meeres- und Zellbiologe am Münchner Fraunhofer Institut. Im Rahmen seiner dortigen Forschung gelang es ihm, Zelllinien seinen eigenen Aussagen nach „unsterblich zu machen“: „Wenn man normale Zellen hat, die nicht immortalisiert sind, kann man sie nur 20- bis 25-mal vermehren, und dann muss man wieder von einer anderen Biopsie anfangen. Mit immortalisierten Zellen können Sie bis zu 100.000-mal wachsen und wir können das jeden Tag verdoppeln“, so Mitbegründer Fabich zu TechCrunch.

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Asiatischer Markt im Blick

Bis Ende 2022 plant das junge Startup Bluu Bioscience nun ihren ersten Produktprototypen auf den Markt zu bringen. Als Fischarten priorisieren sie dabei zunächst Lachs, Forelle und Karpfen. Letzteren insbesondere wegen seiner Beliebtheit in Asien.  Nachdem Singpur als erstes Land der Welt Ende 20202 eine Verkaufserlaubnis für In-Vitro Fleisch ausgestellt hat, plant auch das Berliner Startup seinen zellbasierten Fisch zunächst für den asiatischen Markt zu entwickeln: „Das ist derjenige, der die Nadel bewegt“, so Fabich. „Wir können den größten Einfluss haben, wenn wir das Produktionsverhalten dort ändern.“

Die aktuelle Finazierungsrue wurde angeführt von internationalen Food und Impact Investoren, mit unter anderem Manta Ray Ventures (UK), CPT Capital (UK), Lever VC (USA), Norrsken (SE) und Be8 (GER).

 

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