Tiere und Pflanzen

Bioinvasion: Forscher rechnen mit tausenden „gebietsfremden“ Arten

Die Nilgans ist eigentlich in Afrika heimisch, seit einigen Jahrzehnten aber auch in Mitteleuropa anzutreffen © Tim Blackburn
Die Nilgans ist eigentlich in Afrika heimisch, seit einigen Jahrzehnten aber auch in Mitteleuropa anzutreffen © Tim Blackburn

Die Wollhandkrabbe ist eigentlich ein chinesisches Tier. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden einige Exemplare von chinesischen Segelschiffen nach Deutschland eingeschleppt. Und dort hat sich das bis zu zehn Zentimeter große Tier zu einem großen Problem entwickelt: Über in die Nordsee mündende Flüsse breitete sie sich schließlich in fast ganz Deutschland aus – „invasionsartig“, wie es im „Management- und Maßnahmenblatt“ des deutschen Bundesamts für Naturschutz zu der Einwanderer-Krabbe heißt.

Besonders viele „Einwanderer“ in Europa

„Invasive Arten“ wie Wollhandkrabbe, Sumpfkrebs, Waschbär, Nilgänse oder Nutria haben sich dank des globalen Handels neue Lebensräume erobert und bringen dort häufig gesamte Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Ein Problem, dass sich in den kommenden dreißig Jahren massiv verschärfen wird. Erstmals haben Forscher eine umfangreiche Studie zur „Bioinvasion“ gemacht und ein eigenes Computermodell für eine Prognose erstellt – das Ergebnis: Bis 2050 wird es weltweit im Vergleich zu 2005 36 Prozent mehr „gebietsfremde“ Arten geben. In Europa sollen es sogar um 64 Prozent mehr sein – was ungefähr 2.500 neuen Pflanzen- und Tierarten entspreche.

Insekten, Weichtiere, Krebse

Die meisten davon werden aber wohl keine pelzigen Säugetiere wie der Waschbär sein: „Dabei handelt es sich zum größten Teil um weniger auffällige Neuankömmlinge wie Insekten, Weichtiere und Krebstiere. Im Gegensatz dazu wird es kaum neue, gebietsfremde Säugetierarten wie beispielsweise den bereits eingewanderten Waschbär geben“, erklärt Hanno Seebens vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, der die Studie (Global Change Biology, doi: 10.1111/gcb.15333) leitete. Den Grund für die steigende „Bioinvasion“ sehen die Forscher vor allem im globalen Handel und Verkehr, aber auch in der Klimakrise, die neue Lebensräume notwendig machen kann.

In Deutschland gibt es übrigens ein Startup, das sich des Problems angenommen hat: Holycrab will, dass wir die „gebietsfremden“ Tiere einfach aufessen und verkauft Wollhandkrabbe oder Waschbär als Delikatesse:

Ein Berliner Startup will, dass du Fleisch für den Naturschutz isst

 

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