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Interview

Betterstream: Streaming mit Fokus auf Umweltschutz und CO2-Kompensation

©BetterStream/ Monika Grabkowska
©BetterStream/ Monika Grabkowska

Henning Krosigk und Donald Houwer sind zwei glücklich verheiratete Väter aus Berlin. Henning hat VWL und Kommunikations-Design studiert und Donald Philosphie, Geschichte und Filmregie an der deutschen Film- und Fernsehakademie. Henning arbeitete in mehreren Agenturen als Art Director und war als Creative Director bei dem E-Bike Hersteller GRACE beteiligt, bevor er mit Nearfuture seine eigene Filmproduktion gründete. Donald hat nach dem Regiestudium „Green Me“ das erste grüne Filmfest in Deutschland gegründet, im Anschluss die Partei Demokratie in Bewegung, und die Edison Filmproduktion  übernommen.

BetterStream ist eine kostenlose Streaming Plattform für inspirierende Filme und Podcasts zu den Kernthemen Umweltschutz, gesellschaftlicher Wandel und persönliche Entwicklung. BetterStream steht für anspruchsvollen und bewussten Medienkonsum und kompensiert den CO2 Ausstoß über den Naturschutzbund.

Was treibt euch im Leben an?

Die Suche nach Lösungen für ein Leben im Einklang mit der Natur und deren Umsetzung.

Wie ist es zu Better Stream gekommen? Hat es dafür einen bestimmten Auslöser gegeben?

Anfänglich haben wir darüber nachgedacht eine Plattform zum Thema Elektromobilität zu bauen, haben dann aber festgestellt, dass es keine unabhängigen Anbieter gab, die es dem Verbraucher ermöglichte, sich zu diesem Thema zu informieren. Dabei haben wir viele Filme und Podcast recherchiert und uns ist aufgefallen, dass es keine Streaming-Plattform mit Fokus auf Nachhaltigkeit gab. Wir haben auch über verantwortungsvollen Medienkonsum im Gegensatz zum Binge Watching der Ablenkungskultur diskutiert, auch wegen unserer Kinder. Letztendlich ist so dann die Idee zu BetterStream entstanden. Einem Streaming Anbieter, der inspirierende und anspruchsvolle Inhalte einer breiten Öffentlichkeit kostenlos zugänglich macht und so den wichtigsten Themen unserer Zeit eine Plattform gibt.

Wie habt ihr euch gefunden?

Wir haben uns über unsere Arbeit als Filmproduzenten kennen gelernt und gemeinsam einige Projekte umgesetzt. So unter anderem Filme zum Thema Nachhaltigkeit für die FH Münster. Ein sehr interessantes Projekt war ein Imagefilm über alternative Wärmequellen im Grenzgebiet zwischen den Niederlanden und Deutschland.

Warum braucht es eine Streaming Plattform für nachhaltige Themen?

Alle können heutzutage entscheiden, welche Medien sie wann und in welchem Ausmaß konsumieren. Das Angebot ist gigantisch und die Ablenkung hin zum Trivialen extrem. BetterStream soll dabei helfen, sich mit den zentralen Themen unserer Zeit zu beschäftigen und den persönlichen Standpunkt zu schärfen. Die Mission ist es den Zuschauern durch unsere Beiträgen Mut und Hoffnung zu machen aktiv an der Transformation der Gesellschaft mitzuwirken. Das geht nur indem man sich von den Algorithmen der großen Streaming-Plattformen unabhängig macht und selber sucht. Denn die Algorithmen bieten einem inhaltlich eine Modifikation des vorher Gesehenen an. Dadurch bleiben wir in unserer Bubble. Wir neigen ja alle dazu, uns berieseln zu lassen. Doch wenn das der Normalzustand wird und die Algorithmen uns vor lauter Entertainment nicht mehr über den eigenen Tellerrand hinaus blicken lassen, haben wir am Ende einfach viel Energie und CO2 verschwendet. Und da kommt BetterStream ins Spiel. Unser Team durchsucht alle frei zugänglichen Mediatheken nach hochwertigen Videos und Podcasts. Die Links werden in einer Datenbank gesammelt und mit Tags versehen. Unsere Inhalte werden nicht von Logarithmen, sondern von Menschenhand redaktionell ausgewählt. Zusätzlich entwickeln und produzieren wir über BetterStream Originals eigene Inhalte und stellen diese den Zuschauer*innen kostenlos zur Verfügung. Mit der interaktiven ”Mitmachen“ Funktion in unserer App, können Nutzer*innen uns Programmtipps zusenden und selber zur Redakteur*in werden. Außerdem sensibilisieren wir als einzige Plattform den CO2 Ausstoß, der durch das streamen entsteht, und bieten auch noch die Möglichkeit diesen über unsere Plattform mit dem NABU zu kompensieren.

Habt Ihr an eine bestimmte Zielgruppe gedacht?

Wir wollen so viele Menschen wie möglich erreichen, die meisten Inhalte sind für Zuschauer*innen ab 12 Jahre. Es geht uns darum den Bewusstseinswandel hin zu einer sozialeren und ökologischen Welt zu beschleunigen. Daher verzichten wir auch bewusst auf Mitgliedsbeiträge und stellen die App kostenlos zur Verfügung. Die App ist für alle, die sich aktiv an der positiven Gestaltung unserer Erde beteiligen und ihren Medienkonsum sinnvoll gestalten möchten.

Wie und wer entscheidet welche Beiträge auf die Plattform kommen?

Der Content muss zu unseren Kernthemen (Naturschutz, Persönlichkeitsentwicklung und Gesellschaftswandel) passen, Neues kommunizieren, von vertrauenswürdigen Quellen gut recherchiert und darüber hinaus ansprechend produziert worden sein. Denn schließlich geht es auch darum, dass die Zuschauer*innen auch gut unterhalten werden. Wir durchforsten national und international frei zugängliche Mediatheken und sammeln im ersten Schritt interessante Links. Dann entscheiden wir im Team, welche Inhalte in die Datenbank aufgenommen werden. Unsere Redaktion wiederum erstellt Wochenpläne, in denen es ein Mix aus Formaten festgelegt, aber auch tagespolitisch auf Themen eingeht. Dabei haben wir als deutschsprachige Plattform den Vorteil, auf eine Vielzahl hochwertig produzierte Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen zugreifen zu können. Darüber hinaus können unsere Nutzer*innen Vorschläge zu Inhalten senden, die wir dann nach einer Prüfung in die Datenbank einfügen. Zusätzlich bauen wir den Bereich BetterStream Originals weiter aus. Hier entwickeln und produzieren wir eigene Inhalte und stellen auch diese den Zuschauer*innen kostenlos zur Verfügung.

Wie schätzt Ihr den Beitrag von Journalismus bei der Lösung der Klimakrise ein?

Sehr hoch, aber je nachdem wieviel Ressourcen von den großen Medienhäusern für dieses Thema bereitgestellt werden, fällt auch der Beitrag des Journalismus aus, da die meisten Journalisten entweder fest angestellt sind oder auf Aufträge der Medienhäuser angewiesen sind. Darüber hinaus gibt es aber eine Menge frei agierender Journalisten, Filmschaffender, Influenzer, Autoren und Künstler, die ebenso Inhalte produzieren, die zum Bewusstseinswandel beitragen. Es liegt auch großes Potential in den verschiedenen unabhängig finanzierten Podcast Formaten. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl von Öffentlich-Rechtlichen Beiträgen im DACH Raum, die das Thema Klimakatastrophe behandeln und Lösungen aufzeigen. Am Ende liegt es aber an der Umsetzung dieser Lösungen und da ist neben Unternehmen und Politiker*innen jeder einzelne gefragt.

Und welchen Beitrag kann Better Stream dabei leisten?

Durch die Verbreitung unserer Inhalte tragen wir dazu bei, dass ein Umdenken bei den großen Streaming Plattformen stattfinden kann, dass auch diese ihren CO2 Ausstoß reduzieren und kompensieren. Vielleicht ermutigen wir auch unsere Nutzer*innen, dass ihr Konsum Verhalten verändern, z.B. hin zu einem „Weniger ist mehr“.
Die Zuschauer*innen werden bei uns darin bestärkt, dass ihr Handeln Wirkung zeigen kann und dadurch erreichen wir hoffentlich, dass im Anschluss nicht nur über Nachhaltigkeit nachgedacht wird, sondern auch umsetzt. Außerdem erreichen wir viele Menschen aus reiner Neugierde, die sich vorher mit dem Thema Nachhaltigkeit wahrscheinlich noch nicht so ausführlich beschäftigt haben, und das verändert vielleicht auch deren Bewusstsein.

Wie wichtig war es Euch eine CO2 Kompensation anzubieten?

Sehr wichtig, in allen Lebensbereichen wird dieses Thema behandelt, außer im Kommunikationsbereich, obwohl dort der Stromverbrauch in privaten Haushalten am größten ist. Die wenigste Menschen wissen zum Beispiel, dass beim streamen meistens viel mehr CO2 ausgestoßen wird, als beim fernsehen. Der CO2 Ausstoß durch Streaming ist in der Corona Krise durch die Decke gegangen. Schon 2018 wurde weltweit durch Streaming soviel CO2 ausgestoßen, wie der gesamte CO2 Ausstoß eines ganzen Landes wie Spaniens.

Heute der deutschsprachige Raum und morgen die ganze Welt? Spaß bei Seite, wie schauen Eure Pläne aus?

Wir werden uns in den nächsten zwei Jahren darum kümmern BetterStream im DACH Raum zu etablieren und dann hoffentlich auch auf den englisch- und spanischsprachigen Markt expandieren.

Ihr beobachtet die Entwicklungen rund um Nachhaltigkeit ja sehr genau. Wo stehen wir da jetzt?

Wir sind da immer noch ziemlich am Anfang. Momentan versucht der Markt Green Tec noch als Allheilmittel zu verkaufen. Ohne dass sich der „Weniger ist mehr“-Gedanke durchsetzt, werden wir die Klimakatastrophe aber nicht aufhalten können. Obwohl es natürlich auch gute Kreislaufwirtschaft Ansätze bei Cradle to Cradle gibt, die nicht unbedingt zu weniger Konsum führen müssen. Doch das Prinzip Wachstum auf Kosten der endlichen Ressourcen muss dabei durchbrochen werden. Dazu gehört auch eine gerechte Ressourcen Verteilung, deswegen geht es bei BetterStream gleicher Maßen um soziale- und ökologische Inhalte. Zusätzlich müssen die demokratischen Strukturen überarbeitet werden, dazu gehören zum Beispiel transparente, verpflichtende Lobbyregister in der Politik, um den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik aufzuzeigen und dadurch auch einzuschränken. Die Probleme sind vielfältig und ein Wertewandel unverzichtbar. Wir müssen viel mehr Lösungsansätze ausprobieren, als wir es bisher tun.

Wer ist da eigentlich besonders gefordert. Die Politik, Wissenschaft, Unternehmer, Konsument …?

Sicher ist am meisten die Politik gefordert, die sich selbst reformieren und dabei gleichzeitig klare Gesetze und Richtlinien ohne Rücksicht auf Wiederwahlen und Machtansprüche für das Überleben der Menschheit verabschieden muss. Dabei ist es aber um so wichtiger, dass die Konsumenten in den westlichen Wirtschaftsnationen ihre Bereitschaft signalisieren, die Comfort Zone zu verlassen.

Drei Dinge die im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sofort passieren müssen.

  • Wachstum der Bevölkerung abbremsen
  • Die Schere zwischen arm und reich schließen
  • Das Abholzen der Urwälder stoppen

Schritte in diese Richtung wären die gerechtere Verteilung globaler Ressourcen und die Schaffung weltweiter sozialer Absicherungssysteme wie Renten- und Krankenversicherung.

Drei positive Beispiele im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit.

  • Der Plan eines europäischen Green New Deal.
  • Der Wiedereintritt der USA in das Pariser Klimaabkommen.
  • Das neue Lieferkettengesetz der BRD.

Wie wird die Welt nach Corona ausschauen? Eine Idee?

Die Mieten werden in den Großstädten nach unten gehen, da viele Gewerbeflächen in Wohnraum umgewandelt und Dank Digitalisierung und Home Office viele Menschen wieder aufs Land ziehen werden. Meetings werden weiterhin über Videocalls stattfinden, so dass Geschäftsreisen auf ein Minimum reduziert bleiben. Die Menschen haben durch Corona verinnerlicht, dass wir nur gemeinsam, global in der Lage dazu sind, die Klimakatastrophe in den Griff zu bekommen. Der Plastikverbrauch ist durch Corona und die Take Away Verpackungen so gestiegen, dass nach Corona im großen Stil nach Alternativen zu Plastik gesucht wird und diese auch umgesetzt werden. Die Erkenntnis, dass Viren durch die Zerstörung des natürlichen Lebensraum von wilden Tieren auf den Menschen überspringen, führt dazu, dass der Schutz dieser natürlichen Lebensräume weltweit ausgebaut wird.

Was macht Euch persönlich aus?

Wir versuchen uns in Demut und Geduld zu üben ;).

Welche Projekte liegen noch in der Schublade?

Die Veröffentlichung eines musikalischen Sommer Megahits und die Umsetzung einer fiktionalen Serie zum Thema Gruppentherapie.

Was würde der Welt abgehen, wenn es Euch nicht geben würde?

Super Daddys!

Wer sind Eure wichtigsten Unterstützer?

Unsere Frauen und die BetterStream Community!

Wie startet Ihr in den Tag? Gibt es „Rituale“ die Ihr umsetzt?

Darauf warten bis man nach 16 Stunden Intervall Fasten wieder etwas essen darf ;).

Was braucht ein Tag, um perfekt zu sein?

Ein gutes Mittagessen.

Habt Ihr für unsere LeserInnen eine Buchempfehlung?

Maja Göpel „Unsere Welt neu denken“.

Zu guter Letzt: Kurze Fragen – kurze Antworten von und mit Donald.

Zickzack-Lebenslauf oder geradlinige Karriere?
Zick Zack zwischen Film, Politik und Naturschutz, mit BetterStream kann man diese Eigenschaften miteinander verbinden.

Arbeit bedeutet für mich …
… mein Leben mit Sinn zu füllen.

Leidenschaftlich gerne …
… spiele ich mit meinen Kindern Fußball.

Lieblingsort zum konzentrierten Arbeiten?
Mein Bauwagen auf dem Campingplatz.

Auf meinem Smartphone Homescreen ist zu sehen …?
Meine Familie.

Um abends abzuschalten …
… lese ich Bücher.

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