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Kritik von Tierschutz

AMA-Gütesiegel: Schweinehaltung soll ab 2022 artgerechter werden

Schwein, Zucht, Landwirtschaft, Schweinefleisch, Stall
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Im Bereich der Schweinehaltung wird im Moment viel Kritik laut. Erst in dieser Woche besetzten Tierschützer:innen eine Schweinemastanlage aufgrund von Innenaufnahmen der Anlage, in welcher „horrende Zustände“ zu sehen gewesen seien, so der Verein gegen Tierfabriken (VGT). Diese fordern ein Vollspaltenboden-Verbot in der Schweinehaltung, verpflichtenden Stroheinstreu und mindestens doppelt so viel Platz für die Tiere. Einen Tag später gab nun der Agrarmarkt Austria (AMA) eine Weiterentwicklung der AMA-Gütesiegelrichtlinie „Haltung von Schweinen“ ab 2022 bekannt. Dafür wird jetzt ein entsprechender Stufenplan erarbeitet. Durch diese neue Richtlinie soll mehr Tierwohl erreicht werden. Tierschutzorganisationen zeigen sich allerdings in entsprechenden Reaktionen davon wenig überzeugt.

Auf vier Ziele haben sich Vertreter:innen der Landwirtschaft, der Schlacht- und Zerlegebetriebe sowie des Lebensmitteleinzelhandels aktuell geeinigt, gibt die AMA bekannt. So sollen bis 2030 insgesamt eine Million Schweine aus biologischer Haltung oder aus den freiwilligen AMA-Gütesiegel-Modulen „Mehr Tierwohl“ stammen. Außerdem sollen bis Ende 2026 alle Zuchtsauen- und Aufzuchtbetriebe in das AMA-Gütesiegel eingebunden werden und die Einfuhr von Sojafuttermitteln bis 2030 um die Hälfte reduziert werden. Auch über die stark kritisierten Vollspaltenböden wurde im Zuge des Treffens diskutiert. Geeinigt wurde sich auf ein ndgültiges Aus für Vollspaltenböden im AMA-Gütesiegel bis Ende 2032, so die aktuelle Ankündigung. Bis dahin sollen die Betriebe Stück für Stück umgerüstet werden. Außerdem gäbe es ab sofort ein freiwilliges Modul zu „Mehr Tierwohl“ mit 100 Prozent mehr Platz im Stall.

Tierschutzvolksbegehren: Erfolgreichstes Volksbegehren seit 2018

Kritik von Tierschützer:innen

Die österreichische Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) zeigte sich in einer aktuellen Mitteilung zufrieden mit den Ergebnissen, so die apa: „Das bringt Verbesserungen bei der Tiergesundheit, bessere Fütterung und mehr Platz für die Tiere“, so die Ministerin. Auch die Lebensmittelkette Spar reagierte zufrieden und schrieb, dass der neue Stufenplan nun „noch mehr Tierwohl und Klimaschutz“ bringe. Der heimische Bauernverbund äußerte sich in einer Mitteilung ebenfalls positiv: „Wir haben uns seit Monaten um eine Lösung bemüht, haben alle wichtigen Akteure eingebunden und sind heute mit diesem Beschluss sehr zufrieden.“ Auch die Landwirtschaftskammer Österreich bezeichnete die aktuelle Entwicklung „als mutigen Schritt der Branche“.

Diesen Eindruck teilen heimische Tierschutzorganisationen hingegen nicht. Die Bürgerinitiative „ökoreich“, welche sich aus dem Tierschutzvolksbegehren weiter entwickelt hat, schrieb in einer Reaktion von einem „politischen Totalversagen“. So würden laut der Initiative nur rund 40 Prozent aller Schweine in Österreich unter diesen Standard fallen. „…Statt endlich ein Verbot des Vollspaltenbodens und einem Ausstieg aus Gensoja aus dem Regenwald zu paktieren und zu budgetieren, wird der Stillstand beim mit massenhaft Steuergeld finanzierten Mindeststandard der AMA bejubelt…“, so Sebastian Bohrn Mena, Bundeskoordinator der Bürgerinitiative oekoreich. Auch die Tierrechtsorganisation Vier Pfoten begrüßte zwar in einer Aussendung die Weiterenttwicklcung des Gütesiegels, befand diese aber lange nicht als ausreichend: „Es handelt sich um eine reine Branchenvereinbarung. Was wir aber gerade in der Schweinehaltung brauchen und seit Jahren fordern, sind klare gesetzliche Grundlagen.“

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