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1-2-3-Ticket: Was über das österreichweite Öffi-Ticket bereits bekannt ist

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Letztes Update: 15.01.2021

Das 1-2-3-Ticket ist eines der nachhaltigen Leuchtturmprojekte der türkis-grünen Bundesregierung. Um 3 Euro pro Tag soll man alle Öffis in ganz Österreich nutzen dürfen, um 2 Euro pro Tag darf man in zwei Bundesländern fahren und um 1 Euro in einem Bundesland. Die Details zu diesen Plänen werden aber nur schrittweise bekannt – etwa beim Budgetausschuss für das Mobilitätsbudget 2021. Tech & Nature fasst alles, was zum 1-2-3-Klimaticket bereits angekündigt wurde, hier zusammen:

Wann kommt das 1-2-3-Ticket und wieviel kostet es?

Das Ticket wird ab 2021 schrittweise ausgerollt. Zunächst wird es die österreichweite Jahreskarte um 3 Euro täglich, also 1.095 Euro pro Jahr geben – das wurde am 29. Juli 2020 im Ministerrat beschlossen. Für Jugendliche unter 26 Jahren und für Senioren über 64 Jahren wird es einen eigenen Tarif geben, der um 25 Prozent billiger ist, also 820 Euro kosten wird. Um 109 Euro können Besitzer eines Tickets ein Zusatzticket für bis zu vier mitreisende Kinder unter 15 Jahren kaufen. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler rechnet mit zumindest 100. 000 verkauften Tickets zum Start der Aktion.

Die anderen beiden Ticket-Varianten werden weiterhin mit den einzelnen Bundesländern und Verkehrsverbünden verhandelt. Der öffentliche Verkehr ist bisher stark in der Hand der Bundesländer und vor dort regt sich auch Widerstand. Den die regionalen Verkehrsverbünde rechnen mit enormen Einnahmeausfällen. Bei einem Termin mit Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und den Landeshauptleuten am 6.11. soll es laut Kurier um die Kompensation der Ausfälle gegangen sein – zu einer Einigung kam es jedoch nicht. Die Länder stoßen sich einerseits an dem raschen Fahrplan, aber auch daran, dass der Vertrieb der 1-2-3-Tickets zentral über die ÖBB erfolgen soll.

In Kärnten und der Steiermark kostet die Öffi-Jahreskarte nur für das jeweilige Bundesland derzeit über 2.000 Euro  – also mehr als das österreichweite 1-2-3-Ticket, das schon ab 2021 um 1.095 Euro erhältlich sein soll. Trotz des Widerstandes der Bundesländer will Gewessler bis heute an dem Fahrplan festhalten und noch im ersten Halbjahr 2021 mit der 3er-Version des Tickets starten. Verkehrsverbünde und Landeshauptleute sind für eine spätere Einführung, gleichzeitig mit den anderen Ticketvarianten.

Einen Vertrag für das österreichweite Ticket gibt es bisher lediglich mit Salzburg – die Umsetzungsvereinbarung wurde noch knapp vor Ende 2020 unterzeichnet. Der Salzburger Verkehrsverbund SVV ist damit der erste, der das 1-2-3-Ticket für ganz Österreich anerkennt und dafür einen entsprechenden Erlösersatz vom Bund für die Abwanderung von prognostiziert 6.000 Fahrgästen erhält – vereinbart wurden dafür rund 7 Mio. Euro, wie der Standard berichtet.

Wie wird das Ticket finanziert?

Für den ersten Schritt des österreichweiten Tickets ab 2021 wurden 95 Millionen Euro budgetiert. Nach Aussagen von Gewessler ist die österreichweite Einführung damit abgedeckt. Für die übrigen Tickets müssen wohl weitere Mittel locker gemacht werden. Experten rechnen mit einem Bedarf an Fördermitteln in Milliardenhöhe. Gewessler sicherte eine komplette Kostenübernahme seitens des Bundes zu.

Mit welchen Verkehrsmitteln dürfen Ticket-Besitzer fahren?

Diese Frage ist noch offen, verhandelt wird mit allen Verkehrsverbünden. Zuletzt gab es im Sommer einen Termine im Verkehrsministerium mit Klimaschutzministerin Gewessler und den Vertretern der sieben Verkehrsverbünde (Wien, NÖ und Burgenland sind gemeinsam im Verkehrsverbund Ostregion VOR), den vier Stadtverkehrsunternehmen und Vertretern der Bahn (ÖBB und Westbahn). Dort ging es unter anderem um komplizierte Abrechnungsmodelle, denn die größte Hürde ist es, wie die Einnahmen aus dem Ticket aufgeteilt werden. Einigung gab es dazu noch keine.

Wie wird das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ausgebaut?

Das Öffi-Angebot wird gleich an mehreren Stellen ausgebaut. Die ÖBB wollen alleine heuer 2,3 Milliarden Euro in den Bahnausbau investieren. Im Budget-Plan der Regierung sind von 2021 bis 2026 17,5 Milliarden Euro für den Ausbau bzw. Erneuerung des ÖBB-Netzes vorgesehen. Schwerpunkte liegen auf dem Ausbau des Nahverkehrs in den Ballungsräumen, die Stärkung der Regionalbahnen in Zusammenarbeit mit den Bundesländern und die weitere Elektrifizierung des Streckennetzes.

Gewessler kündigte an, dass die ÖBB 500 Millionen Euro in neue Nachtzüge und damit weitere Nacht-Verbindungen investieren wird. 20 neue Nachtzüge hat die ÖBB angekauft. Nach Aussagen Gewesslers erwarte sie einen Einsatz der Züge mit Fahrplanwechsel 2023. Innerhalb Österreichs sollen Nachtzüge ab 2024 mit 10 Millionen Euro jährlich staatlich subventioniert werden.

Zudem werden sich die ÖBB bemühen, innerösterreichische Verbindungen in Großstädte wie Graz, Linz, Salzburg oder Innsbruck besser zu bespielen. Hintergrund ist eine Klausel im Rettungs-Deal für die Fluglinie AUA. Schafft die Bahn eine Strecke unter drei Stunden, darf die AUA die Flugverbindung nicht mehr anbieten. Für andere Fluglinien werden Kurzstrecken zumindest weniger attraktiv, da Tickets nicht mehr weniger kosten dürfen als Steuern und Gebühren ausmachen, also rund 40 Euro und zusätzlich für Strecken unter 350 Kilometer eine Flugticketabgabe von 30 Euro fällig wird.

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